Der 1961 in Karlsruhe geborene Wolfram Fleischhauer hat nicht nur preisgekrönte Kriminalromane und Thriller publiziert, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden, sondern auch Drehbücher verfasst. In seinem 2008 erschienen, siebten Roman Der gestohlene Abend schildert der autodiegetische Erzähler Matthias (Matthew) Theiss retrospektiv die Erlebnisse seines Studienjahres 1987/1988, das er als Stipendiat aus (West-)Berlin an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest verbracht hat. An diesem vornehmlichen Handlungsort des Campusromans kommt der Germanistikstudent in Berührung mit der einflussreichen Theorie, die am dortigen Institut für neue Ästhetische Theorie (INAT) gelehrt wird. Der „Begründer“ dieser „neuen Denkschule“ (Fleischhauer 2008, 9) ist der belgisch-amerikanische Literaturtheoretiker Jacques De Vander, der zum Zeitpunkt der Handlung bereits verstorben ist und im akademischen Bereich der USA als „vermutlich der einflussreichste Literaturwissenschaftler der Gegenwart“ (295) gilt. Im Verlauf der Handlung wird enthüllt, dass De Vander zu Beginn der 1940er Jahre pronazistische und antisemitische Artikel für die belgische Kollaborationszeitung Le Soir Volé (Der gestohlene Abend) schrieb. Dieses biografische Detail sorgt auf dem Campus für zahlreiche Debatten.

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Wolfram Fleischhauer: Der gestohlene Abend (2008)

  • Ira Diedrich

摘要

Der 1961 in Karlsruhe geborene Wolfram Fleischhauer hat nicht nur preisgekrönte Kriminalromane und Thriller publiziert, die in verschiedene Sprachen übersetzt wurden, sondern auch Drehbücher verfasst. In seinem 2008 erschienen, siebten Roman Der gestohlene Abend schildert der autodiegetische Erzähler Matthias (Matthew) Theiss retrospektiv die Erlebnisse seines Studienjahres 1987/1988, das er als Stipendiat aus (West-)Berlin an der renommierten kalifornischen Universität Hillcrest verbracht hat. An diesem vornehmlichen Handlungsort des Campusromans kommt der Germanistikstudent in Berührung mit der einflussreichen Theorie, die am dortigen Institut für neue Ästhetische Theorie (INAT) gelehrt wird. Der „Begründer“ dieser „neuen Denkschule“ (Fleischhauer 2008, 9) ist der belgisch-amerikanische Literaturtheoretiker Jacques De Vander, der zum Zeitpunkt der Handlung bereits verstorben ist und im akademischen Bereich der USA als „vermutlich der einflussreichste Literaturwissenschaftler der Gegenwart“ (295) gilt. Im Verlauf der Handlung wird enthüllt, dass De Vander zu Beginn der 1940er Jahre pronazistische und antisemitische Artikel für die belgische Kollaborationszeitung Le Soir Volé (Der gestohlene Abend) schrieb. Dieses biografische Detail sorgt auf dem Campus für zahlreiche Debatten.