Der Campusroman als Theorieroman
摘要
Charakteristikum zahlreicher Campusromane – insbesondere seit der Postmoderne – ist ihre Nähe zu (Literatur-)Theorie. Viele Texte präsentieren Theorie in narrativer Form, lassen ihre Figuren nach theoretischen Konzepten handeln, machen ironisch auf Probleme der Theorie aufmerksam oder tragen selbst zu theoretischen Diskursen bei. Sie greifen also Theorie-Elemente nicht nur in Form eines intertextuellen Spiels auf, sondern arbeiten produktiv mit Theorie, etwa indem sie auf Spannungen zwischen verschiedenen theoretischen Ansätzen hinweisen, die Unzulänglichkeiten einzelner theoretischer Konzepte betonen oder Lösungen für offene methodologische Probleme vorschlagen. Manche Campusromane positionieren sich zu Fragen von Autor- und Leserschaft oder von gender, race und class. Andere erzählen die Geschichte der (Literatur-)Theorie, indem sie historische Persönlichkeiten auftreten lassen oder Figuren nutzen, die Theorie allegorisch darstellen. Dabei thematisieren Campusromane mit Theorie-Elementen insbesondere die Möglichkeiten und Grenzen ihrer eigenen ‚Interpretierbarkeit‘. Dies führt zu einer Verflechtung von Theorie und Literatur, für deren Analyse eine ‚Literaturtheorie zweiter Ordnung‘ hilfreich ist.