Michael Zeller: Follens Erbe (1986)
摘要
Im Vorspann des Romans findet sich ein anonymes Gedicht mit der Jahreszahl 1819, das als Motto gelesen werden kann: „richtig angewandt / bleibt die vaterländische Geschichte / ein treffliches Mittel / um die abergläubische Ergebung / in den herrschenden Gewaltzustand / durch Enthüllung seines Anfangs / und seines Wachsthums / von Grund aus / zu heben“ (Zeller 1990). Damit wird die politische Ausrichtung des Romans betont sowie ein Bezug zu dem im Titel genannten Karl Follen etabliert. Eine konzise Information zu diesem bietet der Eintrag in der Neuen Deutschen Biographie. Im Text steht zum einen seine moralische Rolle bei der Ermordung Kotzebues durch Karl Ludwig Sand 1819 im Mittelpunkt, und damit die Position des Sympathisanten, die Metternich zum Anlass für die Einschränkung universitärer Freiheit nimmt. Zum anderen rückt seine weitere Lebensgeschichte in den Fokus, darunter sein bedingungsloser Einsatz für die Sache der Freiheit als Gründer der Germanistik in den USA (vgl. Rose 1961). Sein weit weniger konsequenter Nachfolger ist der Dozent Dr. Hellmut Buchwald, Germanist auf den Spuren Follens; die Verbindungslinie sind die politischen Ereignisse 1977 – die Terroranschläge der Roten Armee Fraktion (RAF) sowie die medial diskutierte Frage nach intellektuellen Sympathisanten. Strukturiert ist der etwa 350-seitige Roman über die Jahreszeiten des betreffenden Jahres 1977; aus dieser Konstellation ergeben sich seine drei ineinander verschachtelten Storylines. Die Darstellung Follens folgt den bekannten historischen Daten; die realen Geschehnisse von 1977 werden mit veränderten Namen in etwa gemäß den realen Ereignissen präsentiert; die Buchwald-Handlung ist fiktiv, trifft sich aber immer wieder mit den Erfahrungen Michael Zellers als Dozent in Erlangen. Fakten und Fiktionen sind so literarisch ineinander verschmolzen.