Heißer Sommer, erschienen 1974 in der bei Bertelsmann von Uwe Timm mitverantworteten Reihe AutorenEdition, erhält zusätzlich zur literarischen Qualität eine zeitgeschichtliche biografische Beglaubigung: Es ist Timms Werdegang, der sowohl eine Außen- als auch eine Innensicht jener epochemachenden Geschehnisse ermöglicht, die im Nachgang die ‚68er‘ und die ‚Studentenbewegung‘ genannt werden. Geboren 1940 und nach der alleinigen Sanierung des akut insolvenzbedrohten elterlichen Kürschnerbetriebs auf dem zweiten Bildungsweg spät zum Abitur gelangt, immatrikuliert sich Timm zunächst an der Universität München als Student der Philosophie und Germanistik, anschließend, ohne dieses Zweitstudium zu beenden, für Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Nähe und Distanz, atmosphärische Beschreibungen und analytische Betrachtungen verdanken sich bei Timm maßgeblich der eigenen Position als Bildungsaufsteiger, als Praktiker, bald als Vater, aber auch als intellektueller Kopf, so als Auslandsstudierender – in den Jahren 1966 und 1967 an der Sorbonne –, als Doktorand einer Arbeit zur Absurdität bei Albert Camus (1971) sowie als politischer Aktivist unter anderem im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ab 1967/68. Dem folgt nach unterschiedlichsten literarischen Selbsterprobungen die Entscheidung, freier Schriftsteller zu werden, wobei Heißer Sommer das Romandebüt markiert, dem sich bis in die Gegenwart zahlreiche, fast durchgängig auf die jüngere deutsche Geschichte rekurrierende Nachfolger anschließen, die Timm zu einer der gewichtigsten literarischen Stimmen im deutschsprachigen Raum machen.

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Uwe Timm: Heißer Sommer (1974)

  • Christian Volkmann

摘要

Heißer Sommer, erschienen 1974 in der bei Bertelsmann von Uwe Timm mitverantworteten Reihe AutorenEdition, erhält zusätzlich zur literarischen Qualität eine zeitgeschichtliche biografische Beglaubigung: Es ist Timms Werdegang, der sowohl eine Außen- als auch eine Innensicht jener epochemachenden Geschehnisse ermöglicht, die im Nachgang die ‚68er‘ und die ‚Studentenbewegung‘ genannt werden. Geboren 1940 und nach der alleinigen Sanierung des akut insolvenzbedrohten elterlichen Kürschnerbetriebs auf dem zweiten Bildungsweg spät zum Abitur gelangt, immatrikuliert sich Timm zunächst an der Universität München als Student der Philosophie und Germanistik, anschließend, ohne dieses Zweitstudium zu beenden, für Soziologie und Volkswirtschaftslehre. Nähe und Distanz, atmosphärische Beschreibungen und analytische Betrachtungen verdanken sich bei Timm maßgeblich der eigenen Position als Bildungsaufsteiger, als Praktiker, bald als Vater, aber auch als intellektueller Kopf, so als Auslandsstudierender – in den Jahren 1966 und 1967 an der Sorbonne –, als Doktorand einer Arbeit zur Absurdität bei Albert Camus (1971) sowie als politischer Aktivist unter anderem im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ab 1967/68. Dem folgt nach unterschiedlichsten literarischen Selbsterprobungen die Entscheidung, freier Schriftsteller zu werden, wobei Heißer Sommer das Romandebüt markiert, dem sich bis in die Gegenwart zahlreiche, fast durchgängig auf die jüngere deutsche Geschichte rekurrierende Nachfolger anschließen, die Timm zu einer der gewichtigsten literarischen Stimmen im deutschsprachigen Raum machen.