Es bleibt festzuhalten, dass dem Messkatalog im Institutionalisierungsprozess der Literaturkritik im 18. Jahrhundert eine enorme „reflexions- und kommunikationsstimulierende Funktion“ zuzusprechen ist, indem seine mediale Existenz ein Voraussetzungsverhältnis begründet, auf dem nicht nur die praktische Tätigkeit des alltäglichen Rezensionsbetriebes fußt, sondern von dem ausgehend um 1800 auch argumentative Abgrenzungs- und Autonomisierungsbewegungen sowohl der akademischen Fach- als auch der literarischen Kunst-Kritik, die sich selbst als kritische Kunst betrachtet sehen möchte, in Gang gesetzt werden. Eine erst noch zu schreibende, vollumfängliche Gattungsgeschichte der Rezension, die nach Thomas Anz als eine „Geschichte ihrer Medien, der Spezialisierungen und Ausdifferenzierungen […], doch nur geringfügiger Funktionsänderungen zu erzählen“ wäre, müsste – als eine „Geschichte […] der Rezensionspraxis“ verstanden – den Bestand dieses Voraussetzungsverhältnisses ebenso berücksichtigen wie den Moment seines Auslaufens, der insofern eine in der Tat gravierende Funktionsänderung des Gattungsformates markiert, als mit seinem Eintritt die Rezensionsjournale als bibliographische Kontrollorgane des Messkatalogs obsolet zu werden beginnen. Mit Blick auf die bibliographischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts ist dieser Moment spätestens dann erreicht, wenn ein rundes Vierteljahrhundert nach der programmatischen Verabschiedung des Messkatalogs als leitendem Maßstab der kritischen Wertungsarbeit durch Fichte und die Schlegels auch der praktische Umgang mit den Katalogen im Alltag des buchhändlerischen Geschäftsverkehrs erheblich an Relevanz verliert. So geht etwa Johann Goldfriedrich in seiner monumentalen Geschichte des deutschen Buchhandels davon aus, dass „die junge Buchhandelswelt schon der vierziger Jahre“ den Messkatalog „zum Teil kaum noch mit eigenen Augen gesehen“ hätte, während Friedrich Adolf Ebert bereits 1825 von einem „mit jedem Jahre an Bedeutung verlierenden Messkatalog“ spricht.

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Verzeichnisse historisieren

  • Michael Pilz

摘要

Es bleibt festzuhalten, dass dem Messkatalog im Institutionalisierungsprozess der Literaturkritik im 18. Jahrhundert eine enorme „reflexions- und kommunikationsstimulierende Funktion“ zuzusprechen ist, indem seine mediale Existenz ein Voraussetzungsverhältnis begründet, auf dem nicht nur die praktische Tätigkeit des alltäglichen Rezensionsbetriebes fußt, sondern von dem ausgehend um 1800 auch argumentative Abgrenzungs- und Autonomisierungsbewegungen sowohl der akademischen Fach- als auch der literarischen Kunst-Kritik, die sich selbst als kritische Kunst betrachtet sehen möchte, in Gang gesetzt werden. Eine erst noch zu schreibende, vollumfängliche Gattungsgeschichte der Rezension, die nach Thomas Anz als eine „Geschichte ihrer Medien, der Spezialisierungen und Ausdifferenzierungen […], doch nur geringfügiger Funktionsänderungen zu erzählen“ wäre, müsste – als eine „Geschichte […] der Rezensionspraxis“ verstanden – den Bestand dieses Voraussetzungsverhältnisses ebenso berücksichtigen wie den Moment seines Auslaufens, der insofern eine in der Tat gravierende Funktionsänderung des Gattungsformates markiert, als mit seinem Eintritt die Rezensionsjournale als bibliographische Kontrollorgane des Messkatalogs obsolet zu werden beginnen. Mit Blick auf die bibliographischen Verhältnisse des 19. Jahrhunderts ist dieser Moment spätestens dann erreicht, wenn ein rundes Vierteljahrhundert nach der programmatischen Verabschiedung des Messkatalogs als leitendem Maßstab der kritischen Wertungsarbeit durch Fichte und die Schlegels auch der praktische Umgang mit den Katalogen im Alltag des buchhändlerischen Geschäftsverkehrs erheblich an Relevanz verliert. So geht etwa Johann Goldfriedrich in seiner monumentalen Geschichte des deutschen Buchhandels davon aus, dass „die junge Buchhandelswelt schon der vierziger Jahre“ den Messkatalog „zum Teil kaum noch mit eigenen Augen gesehen“ hätte, während Friedrich Adolf Ebert bereits 1825 von einem „mit jedem Jahre an Bedeutung verlierenden Messkatalog“ spricht.