Der Beitrag untersucht die Komplizierung des Vers-Prosa-Verhältnisses in Goethes Mann von funfzig Jahren. Der Topik der fortlaufenden prorsa oratio zum Trotz hat die Erzählung ihre charakteristische Dynamik in einem ständigen Zögern zwischen der Bewegung nach vorn und der Wendung zurück, die sich mit Agambens Begriff der versura fassen lässt. Dabei verdankt die Novelle ihre immer nur fast entscheidenden Wendepunkte dem „Einfluß der Dichtkunst“. Bis auf wenige Ausnahmen bannt der Text jedoch sämtliche Verse, die den Fortgang der Erzählung ebenso vorantreiben wie behindern, in die eigentümliche Latenz der Umschreibung. Diese Paraphrasen stehen im Zentrum der vorliegenden Beitrags. Wie sich zeigen lässt, haben wir es bei der prosaischen Umschreibung lateinischer Verse mit einer Abwesenheit zu tun, die nicht ohne charakteristische Interferenz-Erscheinungen bleibt. Tatsächlich handelt es sich bei diesen Übertragungsszenen um metatextuelle Schlüsselmomente einer novellistischen Textur, deren prekäre Paraphrastik im Zeichen eines für die Wanderjahre insgesamt poetologisch bedeutsamen ,Entsagens‘ steht.

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„im Umwenden begriffen“ – Vers, Prosa, Textur am Beispiel von Goethes Mann von funfzig Jahren

  • Sina Dell’Anno

摘要

Der Beitrag untersucht die Komplizierung des Vers-Prosa-Verhältnisses in Goethes Mann von funfzig Jahren. Der Topik der fortlaufenden prorsa oratio zum Trotz hat die Erzählung ihre charakteristische Dynamik in einem ständigen Zögern zwischen der Bewegung nach vorn und der Wendung zurück, die sich mit Agambens Begriff der versura fassen lässt. Dabei verdankt die Novelle ihre immer nur fast entscheidenden Wendepunkte dem „Einfluß der Dichtkunst“. Bis auf wenige Ausnahmen bannt der Text jedoch sämtliche Verse, die den Fortgang der Erzählung ebenso vorantreiben wie behindern, in die eigentümliche Latenz der Umschreibung. Diese Paraphrasen stehen im Zentrum der vorliegenden Beitrags. Wie sich zeigen lässt, haben wir es bei der prosaischen Umschreibung lateinischer Verse mit einer Abwesenheit zu tun, die nicht ohne charakteristische Interferenz-Erscheinungen bleibt. Tatsächlich handelt es sich bei diesen Übertragungsszenen um metatextuelle Schlüsselmomente einer novellistischen Textur, deren prekäre Paraphrastik im Zeichen eines für die Wanderjahre insgesamt poetologisch bedeutsamen ,Entsagens‘ steht.