„den Lauf der Dinge / unterbrechen“. Vers und Rhythmus in Anne Webers Annette, ein Heldinnenepos
摘要
Anne Webers Annette, ein Heldinnenepos (2020) erzählt die Lebensgeschichte der französischen Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und antikolonialen Aktivistin Anne Beaumanoir als Epos und in Versen. Der Aufsatz beschreibt die eigentümliche, aber keineswegs willkürliche Versifikationsstrategie des Epos und argumentiert dafür, diese als besondere Sprechhaltung und als Modus einer reflektierten Annäherung an den Gegenstand zu verstehen. Durch die changierende Nähe zur Prosa und die Tendenz, Syntax und Semantik über die Versumbrüche gegeneinander auszuspielen, leistet der Vers in Webers Epos einen Beitrag zu einer verantwortungsvollen „Umwendungsarbeit“ zwischen Gegenwart und Vergangenheit sowie zwischen deutscher und französischer Geschichte. Die Erzählstimme spricht dieses Unterfangen wiederholt an und macht auf die Umsetzung auch auf formaler Ebene aufmerksam. So entwickelt das Epos eine eigene „Verlaufspoetik“, in der sich ein textuelles Verfahren, das die sequentielle Logik des Erzählablaufs mit Schnitten und Brüchen versieht, mit der von Weber ständig präsent gehaltenen ethischen Dimension des eigenen Schreibens verbündet.