Das Ende vom Lied. Spielräume zwischen ‚Vers‘ und ‚Prosa‘ in der mittelalterlichen Dichtung
摘要
Der Beitrag geht von Giorgio Agambens Beobachtung aus, dass sich der Vers von der Prosa durch das Enjambement unterscheiden lasse, welches der Prosa ermangle. Im Enjambement werde eine metrische Grenze durch eine syntaktische Grenze, werde Klangliches durch Bedeutung überspielt. Am Ende eines metrisch gebundenen Textes aber, wo Versschluss und Satzschluss zusammenfallen, sei kein Enjambement mehr möglich: Der letzte Vers offenbare einen Status der Unentschiedenheit, ja des Übergangs zwischen Poesie und Prosa. Wie gestaltet sich ein solches Verhältnis in der mittelalterlichen Dichtung, in der die Prosa noch nicht wie in späteren Epochen zu einer literarischen Norm geworden ist? Der Beitrag stellt sich dieser Frage am Beispiel der handschriftlichen Gestalt von Texten des Dichters Heinrich von Mügeln (Mitte des 14. Jhs.). Ein Ausblick erwägt unter Einbezug von Wolframs Parzival (aus dem frühen 13. Jh.) die Übertragbarkeit von Agambens Ansatz auf epische Zusammenhänge.