Das zentrale Anliegen, das Julliens Ausführungen in Vom Sein zum Leben (2015) durchzieht und das der Titel dieses Buches programmatisch ankündigt, ist das Vorhaben, den in der ‚europäischen‘ Philosophietradition lange Zeit vorherrschenden Primat des ontologischen Denkens kritisch zu befragen und im Zuge dessen Denkwege zu erproben, die sich auf andere Art und Weise darstellen, als es in der westlichen Philosophietradition klassischerweise der Fall ist. So formuliert Jullien in der Vorbemerkung seines Buches die Aufgabenstellung, einen „Ausgang aus der ‚Frage des Seins‘ [zu finden], der sich zugleich als ein Zugang zum Denken von Leben herausstellt“ (Jullien 2015, 9). Damit wird ein Begriff von Ontologie ins Spiel gebracht, der in einem weiter gefassten Bedeutungsfeld zu verorten ist. Denn als ‚Seinsdenken‘ wird , wie im Folgenden thematisch werden soll, ein allgemeiner Gestus des Denkens bezeichnet, der sich primär in Kategorien des Wissens, der Erkenntnis, der Bestimmtheit und der Identität respektive der Identifizierung artikuliert.

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Zur Produktivität des Unabgeschlossenen

  • Ralph Schwarzenbacher

摘要

Das zentrale Anliegen, das Julliens Ausführungen in Vom Sein zum Leben (2015) durchzieht und das der Titel dieses Buches programmatisch ankündigt, ist das Vorhaben, den in der ‚europäischen‘ Philosophietradition lange Zeit vorherrschenden Primat des ontologischen Denkens kritisch zu befragen und im Zuge dessen Denkwege zu erproben, die sich auf andere Art und Weise darstellen, als es in der westlichen Philosophietradition klassischerweise der Fall ist. So formuliert Jullien in der Vorbemerkung seines Buches die Aufgabenstellung, einen „Ausgang aus der ‚Frage des Seins‘ [zu finden], der sich zugleich als ein Zugang zum Denken von Leben herausstellt“ (Jullien 2015, 9). Damit wird ein Begriff von Ontologie ins Spiel gebracht, der in einem weiter gefassten Bedeutungsfeld zu verorten ist. Denn als ‚Seinsdenken‘ wird , wie im Folgenden thematisch werden soll, ein allgemeiner Gestus des Denkens bezeichnet, der sich primär in Kategorien des Wissens, der Erkenntnis, der Bestimmtheit und der Identität respektive der Identifizierung artikuliert.