Zweiter Theoriekurs – Literaturgeschichtlich lesen
摘要
Die Germanistik entstand Anfang des 19. Jahrhunderts während der französischen Besatzung als Projekt nationaler Identitätsbildung. Die Bedeutung von Autoren, Werken und Figuren für das kollektive Gedächtnis wird ersichtlich, wenn wir sie als „nationale Erinnerungsorte“ betrachten. Aber die deutsche Literatur ist nicht aus sich selbst heraus zu verstehen. Denn sie entwickelte sich international in Beziehung zu anderen Literaturen, intertextuell im Rahmen der „Weltliteratur“. Deren Studium ist die Vergleichende Literaturwissenschaft oder Komparatistik. Nationale oder internationale Literaturgeschichte zu schreiben, ist jedoch immer auch ein politisches Problem, in dessen Zentrum die Frage des Kanons steht: Wer gehört dazu und wer nicht? Pragmatisch und provisorisch können wir die gesamte Literaturgeschichte in fünf Großepochen unterteilen: Antike, Mittelalter, Frühe Neuzeit, das 18./19. Jahrhundert und das 20./21. Jahrhundert; in der neueren deutschen Literatur seit 1500 werden 15 Epochen unterschieden: Reformation, Barock, Aufklärung, Sturm und Drang, Klassik, Romantik, Biedermeier und Vormärz, Realismus, Naturalismus, Fin de siècle, Klassische Moderne, ‚Drittes Reich‘ und Exil, Nachkriegszeit, DDR, Postmoderne und Gegenwart.