Der „Ferguson Effect“ – Mythos oder kriminologisches Phänomen?
摘要
Der tödliche Vorfall des Afroamerikaners Michael Brown im August 2014 durch einen weißen Polizeibeamten in Ferguson, Missouri (USA) löste in vielen U.S. Städten Unruhen und Proteste aus, welche die Ausrufung des Notstandes und die Verhängung einer Ausgangssperre vom Gouverneur in Missouri nach sich zogen. Durch die große mediale Aufmerksamkeit konnten Proteste, u. a. auch von der Bewegung „Black Lives Matter“ bundesweit festgestellt werden. Infolge dessen wurde ein Kriminalitätsanstieg in mehreren U.S. Städten verzeichnet. Führungskräfte der Strafverfolgungsbehörden postulierten, dass dieser Anstieg auf eine verringerte proaktive Polizeiarbeit zurückzuführen sei (sog. Depolicing). Polizeibeamte seien aus Angst vor Repressalien aufgrund der öffentlichen Kontrollen in ihrem Verhalten gehemmter. Dieses mögliche Phänomen wurde als „Ferguson Effect“ bezeichnet. Im Hinblick auf die Aktualität bezüglich der öffentlichen Kontrolle durch die Medien und die Bedeutsamkeit eines solchen Phänomens für die öffentliche Sicherheit, hatte diese Ausarbeitung den Anspruch, anhand der bereits durchgeführten Untersuchungen zu prüfen, ob es sich beim „Ferguson Effect“ um ein nachweisbares kriminologisches Phänomen handelt oder es nur ein Mythos darstellt. Ein Anstieg der Gesamtkriminalität in den Vereinigten Staaten konnte nach dem Vorfall in Ferguson nicht bestätigt werden. Jedoch gab es erhebliche lokale Kriminalitätsanstiege und auch die Rate der Tötungsdelikte, in mehreren großen U.S. Städten, ist im Vergleich zum Vorjahr im Jahr 2015 um 16,8 % gestiegen. Die Ergebnisse zeigen weiter, dass eine verringerte proaktive Polizeiaktivität nach medienträchtigen polizeilichen Ereignissen oftmals anhand verschiedener Untersuchungen verifiziert werden kann. Einen kausalen Zusammenhang der verringerten Polizeiarbeit und dem vereinzelten Anstieg der Kriminalitätsraten wird in Aussicht gestellt, kann jedoch wissenschaftlich nicht belegt werden. Eine weitere in Betracht kommende Ursache stellt eine abnehmende Legitimität der Polizei dar. Ferner konnte nachgewiesen werden, dass die Hypothese verstärkt auf die afroamerikanische Bevölkerung anzuwenden ist. Dieser Beitrag zeigt somit, dass ein „Ferguson Effect“ lokal, unter Einfluss der Medien, mit der weiteren Ursache der abnehmenden Legitimität der Polizei und stärker ausgeprägt in Gemeinden mit einem höheren Anteil von Afroamerikaner_innen, durchaus bestehen könnte.