Exkurs: Theorien zur Erklärung von Suizid
摘要
Über mehr als hundert Jahre hat sich das medizinische Krankheitsmodell, das Suizid als Folge von psychischer Krankheit versteht, etabliert. Noch heute bestimmt dieses Modell weitgehend, wie Gesundheitsfachleute auf suizidale Patienten reagieren: Das Erkennen und Behandeln von Depression (oder anderen psychiatrischen Diagnosen) reduziert das Suizidrisiko. Psychiatrische Forschung innerhalb des medizinischen Modells ist stark auf Risikofaktoren ausgerichtet, wie es auch in der somatischen Medizin der Fall ist. Es gibt wahrscheinlich Tausende von Studien, die suizidale mit nichtsuizidalen Populationen verglichen haben. Dies hat zu einer Überschätzung der praktischen Bedeutung einzelner Risikofaktoren geführt. Forscher und Praktiker neigen dazu, zu vergessen, dass Risikofaktoren bloß statistische Werte darstellen. Depression erhöht das Risiko, durch Suizid zu sterben, doch die überwiegende Mehrheit der depressiven Patienten wird nicht durch Suizid sterben, und viele werden nicht einmal an Suizid denken.