Schreiben nach der Shoah
摘要
Shoah ist kein Wort bei Ilse Aichinger. Für die nationalsozialistischen Verbrechen an den europäischen Juden findet Aichinger andere Wörter. Es sind Wörter, die sie vorfindet: ‚Konzentrationslager‘, die ‚Verschleppten‘, die ‚Urnen aus Buchenwald‘, die in der Zeit nach 1945 einen Bruch mit dem Schweigegebot über die Verbrechen unter dem nationalsozialistischen Regime darstellen. Genauigkeit ist für Aichinger eine unbedingte Forderung an das Schreiben. Ihre Warnung vor verbrauchten Wörtern – auch solchen wie ‚Genauigkeit‘ –, ihre Präferenz für ‚schlechte Wörter‘ und ihre Zurückweisung von Worten, die ‚zu sehr nach einer Wolke‘ klingen, ‚die rasch zerblasen werden kann‘, trifft auch die Bezeichnungen ‚Dichtung‘ und ‚Dichter‘. Diese sind für Aichinger, Theodor W. Adornos bekanntes, meist verkürzt zitiertes Diktum abwandelnd, ‚nach Auschwitz, Minsk, Bergen-Belsen nicht mehr möglich‘.