„Eine Kunstgeschichte ist eigentlich überflüssig“ – Kunstkritik hingegen rettet die Welt. Hannah Arendts Kunstbegriff
摘要
Der Beitrag arbeitet den Kunstbegriff Hannah Arendts heraus und korreliert ihn mit zeitgleichen kunstkritischen Positionen, die im New York der 1940/50er-Jahre das Verständnis und den Kanon der US-amerikanischen Nachkriegskunst nachhaltig prägten. Mit Harold Rosenberg und Clement Greenberg befreundet, stand Arendt, wie der ihre diskurs- und mentalitätgeschichtliche Verortung unternehmende Beitrag zeigt, besonders dem Formalismus des letztgenannten nahe. Beide jüdischen Intellektuellen waren von der Notwendigkeit der Entwicklung eines ästhetischen Weltverständnisses als conditio sine qua non für die Erfahrung einer geteilten Wirklichkeit überzeugt und vertraten jeder auf seinem Gebiet – d. h. die eine theoretisch, der andere praktisch enggeführt an konkreten Artefakten – die Ansicht, dass es vor allem Kunst noch gelinge, in der Moderne „Gemeinsinn“ zu erzeugen und „Weltfremdheit“, wie sie von beiden topisch im Munde geführt wurde, zu reduzieren. Die herausgearbeitete Perspektive wird auf ihre Zeitbedingtheit wie auf ihre auch für heutige Umgangsweisen mit Kunst relevanten Potentiale hin befragt.