Schmidts erneute und vertiefte Verarbeitung der Romane des Abenteuerschriftstellers Rider Haggard steht für einen späten Paradigmenwechsel im Umgang mit trivialen Literaturvorlagen. Im Vordergrund des zitierenden Rückgriffs auf Haggards Romane wurde dem sexuellen Aspekt in ihnen nicht mehr ein bedingungsloses Apriori eingeräumt. Obwohl der Figur der sexuell ausschweifenden Femme fatale, die in verschiedensten Ausformungen Schmidts Werk durchzieht, auch auf der Textoberfläche des Dialogfragments ein breiter Raum gewidmet wird, stellt ihr die Zitierkunst durch Einarbeitung von Zitaten aus eher unbekannten Romanen Haggards die nicht minder starke, jedoch mit einem spirituellen Charme versehene Femme fragile gegenüber. Auch im Zuge der Haggard-Verarbeitung erfolgt eine letzte Etym-Analyse, sie trägt jedoch, wie in den vorhergehenden Dialogromanen nach Zettel’s Traum, lediglich parodistische Züge und wird funktional zur Provokation der Femme fatale eingesetzt. Am Beispiel der Etyms eines Romans der berühmten Quatermain-Reihe wird erkennbar, dass sie jeglichen diagnostischen Wert eingebüßt haben. Darüber hinaus wird eine zitierkünstlerische Haggard-Verarbeitung vorgestellt, die anhand der dichtesten Zitatmontagen des Werkes aus zwei Haggard-Biographien das Bild eines eher schwachen Autors konstruiert. Eine zweispaltige Übersicht verdeutlicht Schmidts verschränkten Umgang mit den biographischen Vorlagen und zeigt, wie Schmidt ausgesuchtes Zitatmaterial aus ihnen herauslöst, um es an der Textoberfläche des Fragments als eine in sich kohärente Erzählung erscheinen zu lassen. Das genauer betrachtete Umfeld der zitierten Textvorlagen legt nahe, dass Schmidt in seine Konstruktion des Autors unausgesprochene autobiographische Züge implementiert hat. Die abschließenden Ausführungen dieses Abschnitts versuchen den zeichenhaften Mehrwert von Zitaten anzunähern, der auf keine semantische Signifikanz, sondern den weiteren Lauf des Gedankenspiels vorausweist.

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Mit Rider Haggard-Zitaten ins entlegene Reich der Tausendeins

  • Jochen Hengst

摘要

Schmidts erneute und vertiefte Verarbeitung der Romane des Abenteuerschriftstellers Rider Haggard steht für einen späten Paradigmenwechsel im Umgang mit trivialen Literaturvorlagen. Im Vordergrund des zitierenden Rückgriffs auf Haggards Romane wurde dem sexuellen Aspekt in ihnen nicht mehr ein bedingungsloses Apriori eingeräumt. Obwohl der Figur der sexuell ausschweifenden Femme fatale, die in verschiedensten Ausformungen Schmidts Werk durchzieht, auch auf der Textoberfläche des Dialogfragments ein breiter Raum gewidmet wird, stellt ihr die Zitierkunst durch Einarbeitung von Zitaten aus eher unbekannten Romanen Haggards die nicht minder starke, jedoch mit einem spirituellen Charme versehene Femme fragile gegenüber. Auch im Zuge der Haggard-Verarbeitung erfolgt eine letzte Etym-Analyse, sie trägt jedoch, wie in den vorhergehenden Dialogromanen nach Zettel’s Traum, lediglich parodistische Züge und wird funktional zur Provokation der Femme fatale eingesetzt. Am Beispiel der Etyms eines Romans der berühmten Quatermain-Reihe wird erkennbar, dass sie jeglichen diagnostischen Wert eingebüßt haben. Darüber hinaus wird eine zitierkünstlerische Haggard-Verarbeitung vorgestellt, die anhand der dichtesten Zitatmontagen des Werkes aus zwei Haggard-Biographien das Bild eines eher schwachen Autors konstruiert. Eine zweispaltige Übersicht verdeutlicht Schmidts verschränkten Umgang mit den biographischen Vorlagen und zeigt, wie Schmidt ausgesuchtes Zitatmaterial aus ihnen herauslöst, um es an der Textoberfläche des Fragments als eine in sich kohärente Erzählung erscheinen zu lassen. Das genauer betrachtete Umfeld der zitierten Textvorlagen legt nahe, dass Schmidt in seine Konstruktion des Autors unausgesprochene autobiographische Züge implementiert hat. Die abschließenden Ausführungen dieses Abschnitts versuchen den zeichenhaften Mehrwert von Zitaten anzunähern, der auf keine semantische Signifikanz, sondern den weiteren Lauf des Gedankenspiels vorausweist.