Schmidts intensive Beschäftigung mit dem Theosophen Jakob Lorber wurde durch dessen Bedeutung für das Marienleben- und Sternreisen-Thema inspiriert, das sich als ein roter Faden durch den unmittelbar vor dem Dialogfragment verfassten Typoskript-Roman Abend mit Goldrand zieht. In Julia, oder die Gemälde wird der theosophische Aspekt, fokussiert auf das Werk von Lorber, zu einem zentralen Motivstrang des neuen Gedankenspiels, der Liebe von Schmidts alter Ego Jhering zur jenseitigen Kindsbraut Julia. Beschränkten sich in Abend mit Goldrand parapsychische Fähigkeiten noch auf eine Figur, die eine parallele Bildwelt durchschreiten, hellseherisch in vergangene wie zukünftige Zeiträume blicken und Personen aus ihnen erscheinen lassen kann, erweitern sie sich im Dialogfragment auf mehrere Protagonisten, die neben der realen Erzählwelt eine zweite phantastische Wirklichkeit bevölkern. Im Zentrum dieses Abschnitts setzt sich Schmidt mit dem theosophischen Begriff der Perichorese auseinander, wie zuvor in Abend mit Goldrand am Beispiel einer bildlichen bzw. holographischen Projektion, um seine Protagonisten die Frage einer gegenseitigen Durchdringung der beiden Wirklichkeiten erörtern und durchspielen zu lassen. Neu ist im Dialogfragment, dass Schmidt die Behandlung dieser Frage auf eine Frage des Sehens und zitierenden Beschreibens reduziert. Damit wird verdeutlicht, wie sehr Schmidt die Verarbeitung der Perichorese auf eine Poesie der Zitierkunst und damit den Aspekt einer literarischen Technik verweist, die mit intertextueller Begrifflichkeit nicht zu erschöpfen ist. Auch das Spiel zwischen Zitat, Zitatvorlage und Zitatkontext durchdringt sich gegenseitig, indem es zwischen der fremden Welt der subkutanen Matrix und der musivischen Welt des Textes zirkuliert, um den Verlauf des Gedankenspiels zu organisieren.

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Die Verarbeitung des „Schreibknechts“ Jakob Lorber – Zitieren als ko(s)misches Verfahren

  • Jochen Hengst

摘要

Schmidts intensive Beschäftigung mit dem Theosophen Jakob Lorber wurde durch dessen Bedeutung für das Marienleben- und Sternreisen-Thema inspiriert, das sich als ein roter Faden durch den unmittelbar vor dem Dialogfragment verfassten Typoskript-Roman Abend mit Goldrand zieht. In Julia, oder die Gemälde wird der theosophische Aspekt, fokussiert auf das Werk von Lorber, zu einem zentralen Motivstrang des neuen Gedankenspiels, der Liebe von Schmidts alter Ego Jhering zur jenseitigen Kindsbraut Julia. Beschränkten sich in Abend mit Goldrand parapsychische Fähigkeiten noch auf eine Figur, die eine parallele Bildwelt durchschreiten, hellseherisch in vergangene wie zukünftige Zeiträume blicken und Personen aus ihnen erscheinen lassen kann, erweitern sie sich im Dialogfragment auf mehrere Protagonisten, die neben der realen Erzählwelt eine zweite phantastische Wirklichkeit bevölkern. Im Zentrum dieses Abschnitts setzt sich Schmidt mit dem theosophischen Begriff der Perichorese auseinander, wie zuvor in Abend mit Goldrand am Beispiel einer bildlichen bzw. holographischen Projektion, um seine Protagonisten die Frage einer gegenseitigen Durchdringung der beiden Wirklichkeiten erörtern und durchspielen zu lassen. Neu ist im Dialogfragment, dass Schmidt die Behandlung dieser Frage auf eine Frage des Sehens und zitierenden Beschreibens reduziert. Damit wird verdeutlicht, wie sehr Schmidt die Verarbeitung der Perichorese auf eine Poesie der Zitierkunst und damit den Aspekt einer literarischen Technik verweist, die mit intertextueller Begrifflichkeit nicht zu erschöpfen ist. Auch das Spiel zwischen Zitat, Zitatvorlage und Zitatkontext durchdringt sich gegenseitig, indem es zwischen der fremden Welt der subkutanen Matrix und der musivischen Welt des Textes zirkuliert, um den Verlauf des Gedankenspiels zu organisieren.