Sein zum Tode – Leben mit dem Tod. Ein Holzweg Heideggers
摘要
Martin Heidegger hat in Sein und Zeit eine weithin faszinierende Analyse zum Tod geliefert. Sie hat stark zum Ruhm des Werkes und seines Autors beigetragen. Er war jedoch nach eigenem Bekunden auf dem ‚Holzweg‘ damit: Seine phänomenologische Daseinsanalyse, die die ‚Faktizität‘ der alltäglichen menschlichen Orientierung im Blick auf die Frage nach dem ‚Sinn von Sein‘ erschließen sollte, wurde zum einen zu seinem Unwillen als Existenzphilosophie missverstanden, die wie seine eigene Analyse stark von Kierkegaard lebt. Zum anderen erkannte Heidegger noch bei der Ausarbeitung von Sein und Zeit in der Konzeption des Todes eine daseinsfremde Konstruktion. In deren Mittelpunkt stand die Unterscheidung von ‚Eigentlichkeit‘ und ‚Uneigentlichkeit‘. Danach sollten dem Dasein in einer Besinnung auf seinen Tod, in der es sein Leben als ganzes in den Blick bekommt, und einer allumfassenden Angst und Sorge um es seiner ‚eigensten Möglichkeiten‘ gewahr werden, statt ins ‚Uneigentliche‘ der durchschnittlichen Orientierungen des ‚Man‘ zu verfallen. Worin die ‚eigensten‘ Möglichkeiten des Daseins bestehen sollten, ließ sich aber nicht sagen. Es blieb nur die ‚Entschlossenheit‘ zu ihnen. Heidegger ließ sich bald darauf zu seinem Engagement für den Nationalsozialismus und seinen ‚Führer‘ hinreißen. Philosophisch versuchte er dann einen ‚anderen Anfang‘ in der Frage nach dem Sinn von Sein bei der ‚Seinsverlassenheit‘; der Tod, die Eigentlichkeit und die Uneigentlichkeit spielten dabei keine Rolle mehr. Der Beitrag umreißt zum Kontrast, wie wir in unserer alltäglichen Orientierung tatsächlich mit dem Tod leben und leben können.