Heidegger und die Psychotherapie. Stationen der Begegnung zwischen Philosophie, Medizin und Psychologie
摘要
Die Psychoanalyse spielte für Heidegger lange Zeit keine Rolle. Nach einem geistig-seelischen Zusammenbruch und einem Psychiatrieaufenthalt bei Viktor Emil v. Gebsattel kommt er erstmals mit Psychotherapie und der ihr zugrundeliegenden Anthropologie in Berührung. Im Austausch mit Medard Boss ergibt sich für Heidegger die Möglichkeit, den Kontakt mit der Psychotherapie zu vertiefen und sich zugleich einen neuen Wirkungskreis zu erschließen. In den gemeinsamen Zollikoner Seminaren sowie in Boss’ weiteren Arbeiten erwächst daraus eine phänomenologische Anthropologie, die die medizinische Trias von Somatik, Psychiatrie und Psychosomatik unterläuft und die Daseinsanalyse als Therapieschule etabliert. Über Paul Tillich wird Heideggers Philosophie ab den 1930er Jahren auch in den USA rezipiert und findet über Rollo May schließlich Eingang in den dortigen philosophischen und psychotherapeutischen Diskurs, der sich mit Irvin D. Yaloms Existenzieller Psychotherapie fortsetzt und über die Konfrontation mit angstbesetzten Grundgegebenheiten des menschlichen Daseins die Abgrenzung von Therapie und Lebenskunst aufweicht.