Heinrich Heine hat sein gesamtes Leben lang über eine Vielzahl und Vielfalt von Beschwerden und Erkrankungen geklagt, und sein Krankheitspanorama reicht dabei von reizbarer Schwäche in jungen Jahren bis hin zu Paresen und Paralysen der unteren Extremitäten in den letzten Lebensjahren. Früh setzten bei ihm Kopfschmerz und Migräneattacken bei großer Geräuschempfindlichkeit ein, über die er auch noch im Alter klagt und die mit ein Grund für seine häufigen Umzüge innerhalb von Paris gewesen sind. Dazu kam eine Augensymptomatik, die sich sowohl in einer Sehschwäche als auch zeitweilig in Pupillenstörungen und einer einseitigen Ptsosis zeigte. In den frühen und dann in den späten Jahren wieder litt er häufig unter ausgeprägten Erkältungssymptomatiken mit Bronchitis und Rhinitis. Und auch Verletzungen infolge wohl eines Kutschenunfalls 1824 und nach einem Pistolenduell 1841 sind ihm nicht erspart geblieben. Ab Mitte 1846 imponiert eine Lähmungssymptomatik, die zunächst das Gesicht (Ptosis, aber auch Kinnladen und Lippen) betrifft, später sind aber dann Beine und Füße derart betroffen, dass Heine seine Wohnung nicht mehr verlassen kann und zuletzt innerhalb seines Krankenzimmers, der „Matratzengruft“, von einer Krankenwärterin zwecks Pflege und Hygiene in den Zimmern umhergetragen werden muss. Zu dieser wohl vollständigen Paraplegie treten Spasmen im Abdominaltrakt, die für Heine von enormem Leidensdruck gewesen sind. Diese Krankengeschichte kann nicht als eine lineare Entwicklung oder im Sinne einer Progression rekonstruiert werden, gegenteilig muss sie durch immer wieder neu hinzukommende und wieder wegfallende Symptome, durch Remissionen, Rezidive und Aggravierungen skandiert gelesen werden [1].

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Heinrich Heine – Erkrankungen

  • Christoph auf der Horst

摘要

Heinrich Heine hat sein gesamtes Leben lang über eine Vielzahl und Vielfalt von Beschwerden und Erkrankungen geklagt, und sein Krankheitspanorama reicht dabei von reizbarer Schwäche in jungen Jahren bis hin zu Paresen und Paralysen der unteren Extremitäten in den letzten Lebensjahren. Früh setzten bei ihm Kopfschmerz und Migräneattacken bei großer Geräuschempfindlichkeit ein, über die er auch noch im Alter klagt und die mit ein Grund für seine häufigen Umzüge innerhalb von Paris gewesen sind. Dazu kam eine Augensymptomatik, die sich sowohl in einer Sehschwäche als auch zeitweilig in Pupillenstörungen und einer einseitigen Ptsosis zeigte. In den frühen und dann in den späten Jahren wieder litt er häufig unter ausgeprägten Erkältungssymptomatiken mit Bronchitis und Rhinitis. Und auch Verletzungen infolge wohl eines Kutschenunfalls 1824 und nach einem Pistolenduell 1841 sind ihm nicht erspart geblieben. Ab Mitte 1846 imponiert eine Lähmungssymptomatik, die zunächst das Gesicht (Ptosis, aber auch Kinnladen und Lippen) betrifft, später sind aber dann Beine und Füße derart betroffen, dass Heine seine Wohnung nicht mehr verlassen kann und zuletzt innerhalb seines Krankenzimmers, der „Matratzengruft“, von einer Krankenwärterin zwecks Pflege und Hygiene in den Zimmern umhergetragen werden muss. Zu dieser wohl vollständigen Paraplegie treten Spasmen im Abdominaltrakt, die für Heine von enormem Leidensdruck gewesen sind. Diese Krankengeschichte kann nicht als eine lineare Entwicklung oder im Sinne einer Progression rekonstruiert werden, gegenteilig muss sie durch immer wieder neu hinzukommende und wieder wegfallende Symptome, durch Remissionen, Rezidive und Aggravierungen skandiert gelesen werden [1].