Mythen des Alltags. Zur narrativen Legitimation von Wissen im postfaktischen Zeitalter
摘要
Der vorliegende Beitrag demonstriert am Beispiel der „Querdenker“-Bewegung, wie traditionelle Formen der Wissenslegitimation in Teilen der Gegenwartsgesellschaft durch narrative Strukturen ersetzt werden, die als ‚Alltagserzählungen‘ im weiteren Sinne verstanden werden können. Diese kulturellen Narrative konstituieren epistemische Sphären, die jeweils eigenständige Maßstäbe für das etablieren, was als wahr oder real angesehen wird. Die Folge ist eine erkenntnistheoretische Fragmentierung der Gesellschaft, die mit dem Schlagwort des Postfaktischen bezeichnet worden ist. In einem solchen postfaktischen Umfeld gewinnt das Erzählen eine Bedeutung, die an mythische Denk- und Begründungsmuster erinnert. Unter Bezugnahme auf bestehende Theorien des Mythos wird dieser erkenntnistheoretische Paradigmenwechsel von rational-aufklärerischen zu narrativen Mechanismen der Wissenslegitimation als eine Rückkehr der Mythen interpretiert.