Der Beitrag exploriert anhand von Techniken des Analogiedenkens, insbesondere des platonischen Liniengleichnisses eine Vorgeschichte der Kantischen Philosophie in kritischer Absicht: Nicht nur lässt sich die frühneuzeitliche Übersetzung argumentativer Diskurse in mathematische Raummetaphern als konstitutiv für das Denken Kants nachweisen, sondern ebenso die in der Frühen Neuzeit auffindbaren Übersetzungen zwischen fiktionaler Literatur und philosophischem Diskurs. Zunächst werden literarische Formen räumlichen Analogiedenkens am Beispiel Jakob Bidermanns untersucht: Strukturelle Analogien werden hier durch Zahlen- und Raumkomposition von Texten erzeugt (erster Übersetzungsbegriff), die v. a. durch die Verwendung entreferentialisierter Deikta Phantasmagorien zwischen Diskursen erzeugen (zweiter Übersetzungsbegriff). Wird auf diese Weise in Bidermanns Cenodoxus der nichtexistente Raum Gottes theatralisch ‚übersetzt‘, so wird bei Kant die unanschauliche Idee der Vernunft als Wahrheit beglaubigt, – so die These des Beitrags, die sich weniger einem polemisch zu verstehenden Interesse an einer Metakritik Kants (Hamann) als der Suche nach einer Geschichte der Vernunft verdankt, in der Hoffnung, diese möge sich wiederum selbst vernünftig rekonstruieren lassen, indem sie sich von ihrer Phänomengeschichte löst und zu ihrer eigenen Archäologie (Foucault) wird.

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Zwischen(–)Raum und Erkenntnis. Strukturelle Analogien als räumliche Inszenierung von Übersetzung in frühneuzeitlichen Texten

  • Christian Sinn

摘要

Der Beitrag exploriert anhand von Techniken des Analogiedenkens, insbesondere des platonischen Liniengleichnisses eine Vorgeschichte der Kantischen Philosophie in kritischer Absicht: Nicht nur lässt sich die frühneuzeitliche Übersetzung argumentativer Diskurse in mathematische Raummetaphern als konstitutiv für das Denken Kants nachweisen, sondern ebenso die in der Frühen Neuzeit auffindbaren Übersetzungen zwischen fiktionaler Literatur und philosophischem Diskurs. Zunächst werden literarische Formen räumlichen Analogiedenkens am Beispiel Jakob Bidermanns untersucht: Strukturelle Analogien werden hier durch Zahlen- und Raumkomposition von Texten erzeugt (erster Übersetzungsbegriff), die v. a. durch die Verwendung entreferentialisierter Deikta Phantasmagorien zwischen Diskursen erzeugen (zweiter Übersetzungsbegriff). Wird auf diese Weise in Bidermanns Cenodoxus der nichtexistente Raum Gottes theatralisch ‚übersetzt‘, so wird bei Kant die unanschauliche Idee der Vernunft als Wahrheit beglaubigt, – so die These des Beitrags, die sich weniger einem polemisch zu verstehenden Interesse an einer Metakritik Kants (Hamann) als der Suche nach einer Geschichte der Vernunft verdankt, in der Hoffnung, diese möge sich wiederum selbst vernünftig rekonstruieren lassen, indem sie sich von ihrer Phänomengeschichte löst und zu ihrer eigenen Archäologie (Foucault) wird.