1891–1900: Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bespielen die Temperaturen nochmals die Klaviatur der Kleinen Eiszeit
摘要
Mit 7,9 °C liegt das Temperaturniveau zum Ende des Jahrhunderts höher als in den vorangegangenen Jahrzehnten, es bleibt aber im Korridor der Kleinen Eiszeit. Erneut treten folgenschwere Extreme auf. In den sehr kalten Wintern 1890/91, 1892/93 und 1894/95 überfrieren Flüsse, die Eisgefahr steigt. Auch sonst entfachen die Wirkpfade der Kälte ihre eigene Dramaturgie. Verheerend wirkt sich auch die Trockenheit von 1892 und 1893 aus. Dabei sind nicht nur wie sonst Land- und Forstwirtschaft besonders betroffen, Hitze und Dürre fordern vor allem in Großstädten zunehmend Opfer. In den städtischen Wärmeinseln spiegeln sich dabei die sozialen und unzulänglichen hygienischen Verhältnisse wider. In Hamburg bricht im Trockenjahr 1892 eine verheerende Choleraepidemie aus. Andererseits steigt das Wissen um das Klima. Themen sind die Eisdrift in der Arktis, die man mit spektakulären Expeditionen erforscht. Weitere Expeditionen in die Polregionen ziehen weltweit Aufmerksamkeit auf sich. Das Gleiche gilt auch für die „Eroberung des Himmels“. Es werden zeitgleich Ballonaufstiege organisiert, die zu neuen Erkenntnissen der oberen Luftschichten und zur Herausbildung des Verständnisses einer Physik der freien Atmosphäre führen. Wegen der Zunahme des Luftverkehrs steigt der Bedarf an Höhenwetterprognosen rasch an.