Die weltweite Prävalenz von Gestationsdiabetes mellitus (GDM) hat in den letzten 15 Jahren aufgrund von Änderungen in der Durchführung des GDM-Screenings und der Zunahme wesentlicher Risikofaktoren wie mütterlichem Alter und Adipositas deutlich zugenommen (Schäfer-Graf et al. 2018). Auch muss in den nächsten Jahrzehnten in Abhängigkeit der ethnischen Herkunft mit einem Anstieg der Prävalenz sowohl des Typ-1-Diabetes mellitus (T1DM) als auch des Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen und damit mit einer Zunahme von Schwangeren mit einem präexistenten Diabetes mellitus gerechnet werden (S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft). Schwangerschaften, die durch GDM oder T1DM bzw. T2DM kompliziert sind, gehen mit einem erhöhten perinatalen Risiko für Mutter und Kind bzw. adversem perinatalem Outcome (APO) einher (HAPO Study Cooperative Research Group et al. 2008). Dies beinhaltet unter anderem höhere Raten peripartaler Azidosen, intrauteriner Fruchttode, neonataler Hypoglykämien, Aufnahmen auf die Neugeborenen-Intensivstation und Kaiserschnittentbindungen aufgrund von intrapartalem fetale Distress (Farrar et al. 2016; Franzago et al. 2019; Ye et al. 2022). Die zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen sind multifaktoriell und bis heute kaum verstanden. Bisher wurden zwei Hauptmechanismen diskutiert: Erstens eine veränderte Vaskularisation der Plazenta (Ganor Paz et al. 2022) und zweitens die mütterliche bzw. fetale Hyperglykämie, die den fetalen Sauerstoffbedarf erhöht (Maruotti et al. 2014; Liu et al. 2016). Frauen im reproduktionsfähigen Alter mit T1DM, aber auch mit T2DM haben häufig typische mikro- bzw. makroangiopathie-assoziierte Komplikationen in der Schwangerschaft. Bei beiden Entitäten (GDM und präexistenter DM) zeigt sich ein erhöhtes Präeklampsie-(PE-)Risiko (Schäfer-Graf et al. 2018; S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft). Darüber hinaus gibt es auch beim GDM Anzeichen für ein bereits in der Schwangerschaft einsetzendes maternales kardiovaskuläres Remodeling, welches nicht nur zu einem langfristigen kardiovaskulären Risiko, sondern womöglich auch zu einem höheren Risiko für ein APO beitragen kann (Mansukhani et al. 2023). Normalerweise ist die fetomaternale Dopplersonografie allein aufgrund der Diagnose GDM bzw. T1DM/T2DM nicht indiziert, es sei denn, es liegen andere geburtshilfliche Risikofaktoren vor, die eine dopplersonografische Untersuchung erforderlich machen (Schäfer-Graf et al. 2018; S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft). Aktuelle Metaanalysen deuten jedoch auf dopplersonografisch messbare, hämdoynamische Veränderungen in der materno-feto-plazentaren Zirkulation von DM-Schwangeren (GDM/T1DM/T2DM) hin, mit möglicher Auswirkung auf das perinatale Outcome (Perkovic-Kepeci et al. 2023; Rane et al. 2023). Auch bei Aspekten der fetalen Programmierung im Sinne des intrauterinen kardialen Remodeling können (prä-)kardiale, dopplersonografische Parameter Ausdruck einer kardialen Dysfunktion sein, deren prognostische Aussagekraft bezüglich des kurz- und langfristigen kardiovaskulären Outcomes betroffener Feten jedoch noch nicht belegt ist (Depla et al. 2021; Sirico et al. 2023). Aus genannten Gründen soll im Folgenden auf die Rolle der fetomaternalen sowie fetalen, kardialen Dopplersonografie bei Schwangeren mit GDM bzw. T1DM/T2DM unter Berücksichtigung von pathophysiologischen Hintergründen, Aspekten der fetalen Programmierung und einer möglichen Assoziation mit dem kurzfristigen APO eingegangen werden.

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Dopplersonografie bei mütterlichem Diabetes mellitus

  • Oliver Graupner,
  • Ulrich Gembruch

摘要

Die weltweite Prävalenz von Gestationsdiabetes mellitus (GDM) hat in den letzten 15 Jahren aufgrund von Änderungen in der Durchführung des GDM-Screenings und der Zunahme wesentlicher Risikofaktoren wie mütterlichem Alter und Adipositas deutlich zugenommen (Schäfer-Graf et al. 2018). Auch muss in den nächsten Jahrzehnten in Abhängigkeit der ethnischen Herkunft mit einem Anstieg der Prävalenz sowohl des Typ-1-Diabetes mellitus (T1DM) als auch des Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen und damit mit einer Zunahme von Schwangeren mit einem präexistenten Diabetes mellitus gerechnet werden (S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft). Schwangerschaften, die durch GDM oder T1DM bzw. T2DM kompliziert sind, gehen mit einem erhöhten perinatalen Risiko für Mutter und Kind bzw. adversem perinatalem Outcome (APO) einher (HAPO Study Cooperative Research Group et al. 2008). Dies beinhaltet unter anderem höhere Raten peripartaler Azidosen, intrauteriner Fruchttode, neonataler Hypoglykämien, Aufnahmen auf die Neugeborenen-Intensivstation und Kaiserschnittentbindungen aufgrund von intrapartalem fetale Distress (Farrar et al. 2016; Franzago et al. 2019; Ye et al. 2022). Die zugrunde liegenden pathophysiologischen Mechanismen sind multifaktoriell und bis heute kaum verstanden. Bisher wurden zwei Hauptmechanismen diskutiert: Erstens eine veränderte Vaskularisation der Plazenta (Ganor Paz et al. 2022) und zweitens die mütterliche bzw. fetale Hyperglykämie, die den fetalen Sauerstoffbedarf erhöht (Maruotti et al. 2014; Liu et al. 2016). Frauen im reproduktionsfähigen Alter mit T1DM, aber auch mit T2DM haben häufig typische mikro- bzw. makroangiopathie-assoziierte Komplikationen in der Schwangerschaft. Bei beiden Entitäten (GDM und präexistenter DM) zeigt sich ein erhöhtes Präeklampsie-(PE-)Risiko (Schäfer-Graf et al. 2018; S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft). Darüber hinaus gibt es auch beim GDM Anzeichen für ein bereits in der Schwangerschaft einsetzendes maternales kardiovaskuläres Remodeling, welches nicht nur zu einem langfristigen kardiovaskulären Risiko, sondern womöglich auch zu einem höheren Risiko für ein APO beitragen kann (Mansukhani et al. 2023). Normalerweise ist die fetomaternale Dopplersonografie allein aufgrund der Diagnose GDM bzw. T1DM/T2DM nicht indiziert, es sei denn, es liegen andere geburtshilfliche Risikofaktoren vor, die eine dopplersonografische Untersuchung erforderlich machen (Schäfer-Graf et al. 2018; S2e-Leitlinie Diabetes in der Schwangerschaft). Aktuelle Metaanalysen deuten jedoch auf dopplersonografisch messbare, hämdoynamische Veränderungen in der materno-feto-plazentaren Zirkulation von DM-Schwangeren (GDM/T1DM/T2DM) hin, mit möglicher Auswirkung auf das perinatale Outcome (Perkovic-Kepeci et al. 2023; Rane et al. 2023). Auch bei Aspekten der fetalen Programmierung im Sinne des intrauterinen kardialen Remodeling können (prä-)kardiale, dopplersonografische Parameter Ausdruck einer kardialen Dysfunktion sein, deren prognostische Aussagekraft bezüglich des kurz- und langfristigen kardiovaskulären Outcomes betroffener Feten jedoch noch nicht belegt ist (Depla et al. 2021; Sirico et al. 2023). Aus genannten Gründen soll im Folgenden auf die Rolle der fetomaternalen sowie fetalen, kardialen Dopplersonografie bei Schwangeren mit GDM bzw. T1DM/T2DM unter Berücksichtigung von pathophysiologischen Hintergründen, Aspekten der fetalen Programmierung und einer möglichen Assoziation mit dem kurzfristigen APO eingegangen werden.