Utilitarismus und deutsches Recht
摘要
Recht, auch und gerade das deutsche Recht, ist offenkundig von konsequentialistischen und auch utilitaristischen Elementen durchzogen. Gleichzeitig fällt auf, dass Rechtswissenschaft und auch die Rechtsphilosophie in Deutschland den Utilitarismus als Denkmodell ablehnen und die utilitaristische Literatur weitgehend ignorieren. Diese fast schizophrene Situation lässt sich vor allem historisch erklären. Im Folgenden soll der klassische Utilitarismus im Mittelpunkt stehen, wie er vor allem von Jeremy Bentham und seinem Schüler John Stuart Mill begründet und ausformuliert wurde. Ihre Analysen und Positionen wurden von jüngeren Utilitaristen fortgeführt und ausdifferenziert, was ihre aufklärerische Wirkung für das Recht und seine Reformen jedoch nicht beeinträchtigt. Im Gegenteil: Die Kerngedanken Benthams und Mills sind hochaktuell und könnten vielleicht sogar dazu beitragen, die in eine Krise geratenen westlichen Demokratien neu zu legitimieren. Von Bentham und Mill führt eine gerade Linie über Bertrand Russel bis hin zu Karl Popper und Hans Albert, den beiden Philosophen der „Offenen Gesellschaft“.