Anagrammatik im Zeichen der Vanitas. Spuren barocker Spracharbeit inMichael Lentz’ Chora
摘要
Der Beitrag widmet sich Spuren des Barock in Michael Lentz’ Gedichtband Chora (2023). Untersucht wird, wie Lentz für seine durch die Phänomenologie und die Psychoanalyse imprägnierte Dichtung die Vanitas-Topik und Verfahren barocker Spracharbeit, vermittelt auch über die Konkrete Poesie, aktualisiert, wobei er im Rückgriff auf die Diskussion um deren Vergleichbarkeit zur Frage des ‚Neobarock‘ eine reflexive Position einnimmt. Die den Band prägenden anagrammatischen Verfahren im strengen wie im weiteren Sinn sind in den Rahmen der titelgebenden chōra gestellt, eines Konzepts, mit dem eine Textpraxis im Zeichen von Eros und Thanatos sowie von Spiel und Ernst zur Debatte steht, welche nicht nur die Unterscheidung von Theorie und Literatur, sondern gleichsam auch von Lyrik und Prosa unterläuft. Die Gedichte, die neben der Subjektkonstitution die Hinfälligkeit des Lebens, den Tod der Anderen, schreibend variieren, geben gleichermaßen Trauergedichte wie vermittels eines negativistischen Humors ein durchaus groteskes memento mori zu lesen.