Argutia 2.0 – Jan Wagners Lyrik im Horizont der Scharfsinnspoetik
摘要
Die Lyrik Jan Wagners verfängt sich in der eigenen Redefertigkeit. Der Aufsatz beschreibt diese Rhetorik des Gedichts im Verweis auf den historischen Manierismus. Das Manierierte betrifft die betont artifizielle Konstruktion der Texte, ihren Pointierungsdrang und nicht zuletzt auch ihre Aufmerksamkeit auf kleine Dinge. An ihnen weiß diese neue manieristische Lyrik eine Bedeutung hervorzutreiben, die sich erkennbar erst der poetischen Behandlung verdankt. Vor allem aber geht es um Paralogien, auf deren irritierend Innovatives lange bereits für die Lyrik der Avantgarde hingewiesen worden ist, und zwar mit Bezug auf den Manierismus der Frühen Neuzeit und die aus ihm hervorgehende argutia-Bewegung. Dies aufgreifend, dient hier die Vergegenwärtigung raffinierter, arguter Spracharbeit keineswegs einem Kult um Literaturgeschichte. Es geht um einen anderen Beschreibungsansatz für die Lyrik heute und jetzt, um den Wiederaufgriff teils fremdgewordener, teils unerkannt präsenter Verfahren literarischer Kognition unter den Bedingungen der Postmoderne.