Echosysteme. Zum barocken Widerhall in Nico Bleutges Kriegszyklus „drei stimmen“
摘要
Der Beitrag bietet eine Lektüre von Nico Bleutges Kleinzyklus „drei stimmen“ aus dem Band fallstreifen von 2008. Einleitend wird der Zweite Weltkrieg als ein wichtiges Thema bei Bleutge profiliert, der hier im mittleren Gedicht „karbid“ auf der Basis von Zitaten aus Kempowskis Echolot evoziert wird. Der Ton ist entsprechend geschlossen-prosaisch. Dies wird im Zyklus dadurch supplementiert, dass das erste Gedicht „frottee“ und das dritte „glas“ an Epochen anschließen, in denen das Verhältnis zwischen Krieg und Lyrik deutlich enger war: der Expressionismus und der Barock. Der Zyklus erscheint insgesamt als eine Art Triptychon, bei dem durch zahlreiche Querbezüge lyrische Momente sekundär auch in den Mittelteil hineingetragen werden. Aus dem Barock ist dabei neben diversen Topoi das Concetto des ‚brennespiegels‘ zu nennen, das auf Casper von Lohenstein zurückgeht. Ganz am Ende stehend, eröffnet es eine alternative Verständnismöglichkeit von „glas“ und fordert implizit dazu auf, darüber hinaus auch den Zyklus insgesamt als deutungsoffen wahrzunehmen sowie wiederholt und neu zu lesen.