Trost bleibt als Bedürfnis auch des spätmodernen Menschen nach Begleitung, Zuwendung, Zuspruch, Verbundenheit und Berührung eine fundamentale Erfahrung des Menschen. Dabei geht es im Diskurs des 20. und 21. Jahrhunderts, geführt von Philosophen, Sozialpsychologen, Psychotherapeuten, engagierten Medizinern und Soziologen, um die Möglichkeit und Unmöglichkeit des Trostes, um die Anerkennung der Tröstlichkeit und der gleichzeitigen Untröstlichkeit der individuellen Person in ihrer aktuellen Lebenskrise, um die Trostlosigkeit der Welt und um die Unverfügbarkeit einer Trosterfahrung. Trostfähigkeiten und Trostpraktiken haben sich gerade in existenziellen Situationen bewahrt und bewährt. Mit den Konzepten des tragischen Optimismus und der Trotzmacht des Geistes bieten sich zwei Konzepte und Kriterien zum Verständnis der Spätmoderne und der individuellen Bewältigungsmöglichkeiten und humanen Fähigkeiten der aktuell als existenziell bedrohlich erlebten Krisen an, die mit den gängigen Forderungen nach Selbstoptimierung, positiver Haltung und Optimismus individuell nicht überwunden werden können. Zuletzt hat die globale Pandemie das grundlegende und zugleich aktuelle Trostbedürfnis des Menschen wieder deutlich gemacht. In der Öffentlichkeit suchen die Menschen besonders in Erfahrungen der kollektiven Trauer über die Verluste während der Pandemie, besonderer katastrophaler Ereignisse, Morde und Anschläge Trost in der Verbundenheit mit anderen, indem geteilte Rituale Halt geben. Demokratische Institutionen und ihre Repräsentanten zögern in diesen herausragenden Ereignissen, in ihrer Funktion öffentlich das Trostbedürfnis aller anzuerkennen, zu validieren und dabei auch erlebte Untröstlichkeit anzuerkennen. Ein alternatives Beispiel ist die Gedenkrede des Bundespräsidenten für die Verstorbenen mitten während der Pandemie und die gerade begonnene Debatte um die Aufarbeitung der Pandemie. Die Frage nach den Folgen dieses Trostversäumnisses bleibt.

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Trost – Eine fundamentale Erfahrung des Menschen

  • Beate von Devivere

摘要

Trost bleibt als Bedürfnis auch des spätmodernen Menschen nach Begleitung, Zuwendung, Zuspruch, Verbundenheit und Berührung eine fundamentale Erfahrung des Menschen. Dabei geht es im Diskurs des 20. und 21. Jahrhunderts, geführt von Philosophen, Sozialpsychologen, Psychotherapeuten, engagierten Medizinern und Soziologen, um die Möglichkeit und Unmöglichkeit des Trostes, um die Anerkennung der Tröstlichkeit und der gleichzeitigen Untröstlichkeit der individuellen Person in ihrer aktuellen Lebenskrise, um die Trostlosigkeit der Welt und um die Unverfügbarkeit einer Trosterfahrung. Trostfähigkeiten und Trostpraktiken haben sich gerade in existenziellen Situationen bewahrt und bewährt. Mit den Konzepten des tragischen Optimismus und der Trotzmacht des Geistes bieten sich zwei Konzepte und Kriterien zum Verständnis der Spätmoderne und der individuellen Bewältigungsmöglichkeiten und humanen Fähigkeiten der aktuell als existenziell bedrohlich erlebten Krisen an, die mit den gängigen Forderungen nach Selbstoptimierung, positiver Haltung und Optimismus individuell nicht überwunden werden können. Zuletzt hat die globale Pandemie das grundlegende und zugleich aktuelle Trostbedürfnis des Menschen wieder deutlich gemacht. In der Öffentlichkeit suchen die Menschen besonders in Erfahrungen der kollektiven Trauer über die Verluste während der Pandemie, besonderer katastrophaler Ereignisse, Morde und Anschläge Trost in der Verbundenheit mit anderen, indem geteilte Rituale Halt geben. Demokratische Institutionen und ihre Repräsentanten zögern in diesen herausragenden Ereignissen, in ihrer Funktion öffentlich das Trostbedürfnis aller anzuerkennen, zu validieren und dabei auch erlebte Untröstlichkeit anzuerkennen. Ein alternatives Beispiel ist die Gedenkrede des Bundespräsidenten für die Verstorbenen mitten während der Pandemie und die gerade begonnene Debatte um die Aufarbeitung der Pandemie. Die Frage nach den Folgen dieses Trostversäumnisses bleibt.