Dimensionen des Menschen
摘要
Von Beginn unseres Lebens an bis zu unserem letzten Atemzug werden unsere Grundbedürfnisse nie ständig und umfassend erfüllt. Umgekehrt stellen sich bei Nichterfüllung dieser Grundbedürfnisse grundlegende Gefühle von Ärger, Trauer, Verlust, Mangel, Leiden, Schmerz ein, von Einsamkeit, Ausgrenzung, Unsicherheit, Hilf- und Orientierungslosigkeit, Scham, Stress, Müdigkeit, Erschöpfung. In diesen Lebenssituationen erleben wir das Bedürfnis nach Trost. Nicht der homo faber oder der homo amans als schöpferischer und die Welt liebende Person zeigt sich, zudem ungeschützt, in diesen Situationen, sondern der homo patiens. In den existenziellen Situationen von Schmerz, Leiden, Leid und Verlusterfahrungen ist die Trostbedürftigkeit und Trostfähigkeit des Menschen aufgerufen. Aktuell werden die Spätmoderne, die aktuellen Krisen, die gesellschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen als ebenso neue wie existenzielle Krisen erlebt, die für den modernen Menschen zu grundlegenden Lebensgefühlen von Einsamkeit, Unkontrollierbarkeit, Ohnmacht und Ausweglosigkeit führen. Diese Erfahrungen überlagern im Bewusstsein der Spätmoderne alle vorhergehenden Leid- und Trosterfahrungen der Menschen. Zusammen mit den Fortschrittsversprechen der Moderne wird die in Leid, Schmerz und Verlust angelegte Untröstlichkeit verdrängt, nicht mehr zugelassen. Der homo patiens mit allen „negativen“ Gefühlen selbst gilt als ebenso unerwünschte wie zu überwindende Seinsweise, für die auch Trost, Trostbedürftigkeit und humane Trostfähigkeit mit ihren überlieferten Formen, Ritualen, Institutionen und Angeboten sich im gesellschaftlich-kulturellen Abseits befinden.