Religion und Trostangebote
摘要
Welches Verhältnis besteht heute zwischen Religion, ihren Institutionen und Trost? Das spätmoderne Subjekt richtet seinen Wunsch nach Heilung und Linderung seiner Leiden und Traumata an säkulare Einrichtungen, namentlich die Psychotherapie, die sich ausdrücklich nicht als Trostinstanz versteht. Beide, sowohl Psychotherapie als auch die Kirchen als verfasste Institutionen der christlichen Konfessionen, zogen sich aus einem Dialog in ihre eigenen Räume zurück. Themen der Religiosität, Spiritualität und Transzendenz werden als menschliche Existenzialien in der Psychotherapie erst seit einigen Jahren wieder erörtert. Die Theologie mied die Erörterung des Zusammenhangs von Seele und Psyche. Die Angebote der Kirchen für Seelsorge, Begleitung der Menschen in schwierigen Lebenslagen und zur Beantwortung ihres Trostbedürfnisses werden stetig weiter reduziert. Seelenscham und Trostscham gerieten so zu Synonymen des modernen Subjekts. Einzig die von den beiden großen christlichen Konfessionen angebotene Telefonseelsorge stellt heute ein von Millionen Menschen genutztes einzigartiges, säkulares Trostangebot der Kirchen dar, dessen Organisation, Struktur, Themen, Anlässe und Qualitätsmanagement hier wegen ihrer Reichweite und ihres Inhalts und als mögliches Beispiel für eine Neuorganisation des öffentlichen Trostangebots ausführlicher dargestellt werden. Heute mehren sich kritische Beobachterstimmen aus der Wissenschaft, die die Bedeutung und auch praktische Relevanz von Religion in einer säkularen Gesellschaft intensivieren: Sowohl in der Theologie als auch in der Philosophie, der Soziologie und in der Psychotherapie ist heute eine Öffnung zum Thema Religion, Seele, Spiritualität und praktische Beantwortung des Trostbedürfnisses der Menschen festzustellen. Eine Fortsetzung und Intensivierung dieses Diskurses unter Einbeziehung aller Disziplinen und ihrer jeweiligen angebotenen Praktiken ist gerade in Anbetracht der Beantwortung des Trostbedürfnisses des modernen Subjekts zu wünschen.