Die Dialektik des Trostes, die Untröstlichkeit und die Tröstlichkeit der Welt und des Subjektes in der Welt, und die darin liegende Spannung gilt es auszuhalten. Trost gilt seit der Aufklärung aus zwei Gründen als „unmodern“: Konsistenz und Kontingenz der menschlichen Existenz. Der in den Wissenschaften angelegte Fortschrittsglaube enthält bis heute das Versprechen auf Einlösung der menschlichen Grundbedürfnisse, namentlich der Sehnsucht nach Konsistenz der eigenen Lebensbedingungen, der Stabilität und Vorhersehbarkeit. Dazu im Widerspruch steht die Einsicht in die letztliche Kontingenz der menschlichen Existenz, die sich allen beanspruchten Logiken entzieht. Während Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Planbarkeit im Lebensvollzug trotz aller Fortschrittsversprechen zunehmend ausbleiben und in dieser Enttäuschung umso größere Anstrengungen zur Verfügbarkeit der Welt unternommen werden, bleiben die Fragen und Bedürfnisse des spätmodernen Subjekts nach Orientierung, nach Zusammenhang und Ganzheit dringlich fortbestehen und werden im Zusammenhang der Krisendynamik lauter. Welche Räume, Formen und Institutionen beantworten das menschliche Bedürfnis nach Trost, nach Resonanz? Die in der Literatur präsente Utopie, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für resonante Beziehungen, die Care-Berufe und der gesamte Bildungsbereich zeigen heute Trosterfahrungen auf. In diesen Praktiken definiert sich die im Trost bestehende besondere, „primäre“ Beziehung zwischen Subjekt und Welt als Potenzial und als gelebte Realität.

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Die Tröstlichkeit und Untröstlichkeit in der Welt

  • Beate von Devivere

摘要

Die Dialektik des Trostes, die Untröstlichkeit und die Tröstlichkeit der Welt und des Subjektes in der Welt, und die darin liegende Spannung gilt es auszuhalten. Trost gilt seit der Aufklärung aus zwei Gründen als „unmodern“: Konsistenz und Kontingenz der menschlichen Existenz. Der in den Wissenschaften angelegte Fortschrittsglaube enthält bis heute das Versprechen auf Einlösung der menschlichen Grundbedürfnisse, namentlich der Sehnsucht nach Konsistenz der eigenen Lebensbedingungen, der Stabilität und Vorhersehbarkeit. Dazu im Widerspruch steht die Einsicht in die letztliche Kontingenz der menschlichen Existenz, die sich allen beanspruchten Logiken entzieht. Während Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Planbarkeit im Lebensvollzug trotz aller Fortschrittsversprechen zunehmend ausbleiben und in dieser Enttäuschung umso größere Anstrengungen zur Verfügbarkeit der Welt unternommen werden, bleiben die Fragen und Bedürfnisse des spätmodernen Subjekts nach Orientierung, nach Zusammenhang und Ganzheit dringlich fortbestehen und werden im Zusammenhang der Krisendynamik lauter. Welche Räume, Formen und Institutionen beantworten das menschliche Bedürfnis nach Trost, nach Resonanz? Die in der Literatur präsente Utopie, die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein für resonante Beziehungen, die Care-Berufe und der gesamte Bildungsbereich zeigen heute Trosterfahrungen auf. In diesen Praktiken definiert sich die im Trost bestehende besondere, „primäre“ Beziehung zwischen Subjekt und Welt als Potenzial und als gelebte Realität.