Lutherus latinus – zwischen Kommerz, Unterricht und europäischer Wirkung. Zu den lateinischen Übersetzungen von Luthers Schriften
摘要
Der Focus auf den deutschen Schriftsteller Martin Luther verstellt meist den Blick darauf, dass dessen reformatorische Schriften bereits zu seinen Lebzeiten in zahlreichen lateinischen Übersetzungen erschienen. Dies war insbesondere eine Initiative von Verlegern und Druckern, die die Gedanken des Wittenberger Reformators über die deutschen Sprachgrenzen hinaus rezipierfähig machen und damit neue europäische Märkte erschließen wollten. Luther selbst agierte in beiden Sprachsystemen – deutsch und lateinisch –, sprach damit unterschiedliche Publika an (ungelehrt / gelehrt) und übersetzte auch eigene Schriften ins Lateinische. Denn Luthers Wertschätzung für die lateinische Sprache als lingua franca der Gelehrten und als lingua sacra für besondere liturgische Anlässe blieb Zeit seines Lebens bestehen – auch mit der Intention, die reformatorische Bewegung international sprechfähig zu machen. Deshalb wurden z. B. auch die deutschen Katechismen Luthers lateinisch übersetzt, um damit Glaubenslehre und Sprachunterricht im Sinne der pietas docta zu verknüpfen.