Doch in die richtige Richtung? Die epilinguistische Übersetzung ins Lateinische
摘要
Bei einer epilinguistischen Übersetzung wird die Syntax der Quellsprache möglichst analog abgebildet, so dass die Zielsprache gleichsam wie eine transparente Folie auf die Quellsprache gelegt wird (daher das Präfix epi-). Zu diesem Zweck bot sich für die Übersetzung nicht-europäischer Sprachen seit der Frühen Neuzeit das Lateinische an und wurde bis ins 19. Jahrhundert eifrig genutzt; theoretische Äußerungen hierzu stammen u. a. aus der Arabistik, Indologie und Sinologie. Ein frühes Beispiel aus den Anfängen der europäischen Orientalistik zeigt die Herkunft der Methode aus dem altsprachlichen Unterricht: Der Leidener Gelehrte Thomas Erpenius (1584–1624) erstellte für den Arabischunterricht eine epilinguistische Übersetzung der 12. Sure des Korans, die die Geschichte des alttestamentlichen Joseph enthält. Anhand einer detaillierten sprachlichen Analyse einiger Passagen aus dieser Historia Josephi (1617) werden die Möglichkeiten und Grenzen der epilinguistischen Methode erläutert.