In den Paratexten zu seinen historiographischen Werken beschreibt John Lesley (1527–1596) die volkssprachliche Historie of Scotland (1570) als vorläufigen Entwurf und die De origine, moribus et rebus gestis Scotorum libri decem (1578) als vollendete Ausarbeitung, die den früheren Text ersetzen soll. Neben dieser groben Charakterisierung enthalten die Widmungsbriefe und Geleitgedichte aufschlussreiche Hinweise zu Zielpublikum, Referenzrahmen und Wirkabsicht des jeweiligen Textes: Die volkssprachliche Historie ist nicht zur Publikation bestimmt und soll nur vorübergehend als Fortsetzung bisheriger Geschichtsschreibung dienen, um die jüngere Geschichte Schottlands vor dem Vergessen zu bewahren und vor Verfälschungen zu schützen. Dagegen richtet sich das lateinische Werk selbstbewusst an eine gesamteuropäische Öffentlichkeit, um die Position Maria Stuarts zu stärken. Die Inszenierung der Autorenpersona wird an die jeweilige Wirkintention angepasst: 1578 wirft sich Lesley in die Pose eines schottischen Cicero, der aus dem Exil daran arbeite, sein durch die Reformation auf Abwege geratenes Vaterland wieder auf den rechten Weg zu führen.

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quae vulgari lingua effuderam, Latino sermone explicavi: Adressatenkreis, Referenzrahmen und Wirkabsicht der historiographischen Schriften John Lesleys

  • Bernhard Söllradl

摘要

In den Paratexten zu seinen historiographischen Werken beschreibt John Lesley (1527–1596) die volkssprachliche Historie of Scotland (1570) als vorläufigen Entwurf und die De origine, moribus et rebus gestis Scotorum libri decem (1578) als vollendete Ausarbeitung, die den früheren Text ersetzen soll. Neben dieser groben Charakterisierung enthalten die Widmungsbriefe und Geleitgedichte aufschlussreiche Hinweise zu Zielpublikum, Referenzrahmen und Wirkabsicht des jeweiligen Textes: Die volkssprachliche Historie ist nicht zur Publikation bestimmt und soll nur vorübergehend als Fortsetzung bisheriger Geschichtsschreibung dienen, um die jüngere Geschichte Schottlands vor dem Vergessen zu bewahren und vor Verfälschungen zu schützen. Dagegen richtet sich das lateinische Werk selbstbewusst an eine gesamteuropäische Öffentlichkeit, um die Position Maria Stuarts zu stärken. Die Inszenierung der Autorenpersona wird an die jeweilige Wirkintention angepasst: 1578 wirft sich Lesley in die Pose eines schottischen Cicero, der aus dem Exil daran arbeite, sein durch die Reformation auf Abwege geratenes Vaterland wieder auf den rechten Weg zu führen.