Selbstverantwortung und Antidepressiva
摘要
Der aktuelle Forschungsstand liefert keine Belege für die Annahme, dass Depression die Folge einer Hirnstoffwechselstörung (z.B. Serotoninmangel) oder einer genetischen Erkrankung ist. Dennoch halten sich diese biomedizinischen Erklärungsmodelle hartnäckig, was auf Kampagnen der Pharmaindustrie zurückgeführt werden kann, die diese Erklärungen benötigt, um den Einsatz von Antidepressiva zu rechtfertigen. Einige Studien weisen darauf hin, dass bereits der Glaube an biomedizinische Erklärungen der Depression schädlich sein kann, weil dadurch die Erfolgsaussichten von Psychotherapie reduziert werden. Die Überzeugung, z. B. aufgrund einer genetischen Disposition depressiv geworden zu sein, mindert die Erwartung, von einer Psychotherapie profitieren zu können. Eine eigene Untersuchung mit dem SVI an 381 Depressiven in stationärer Psychotherapie zeigt, dass diejenigen, die trotz des Rates, das Antidepressivum abzusetzen, ihr Medikament weiterhin einnehmen wollten, mehr Fremdbestimmung, weniger Selbstbestimmung und eine stärkere Orientierung an den Erwartungen anderer aufwiesen. Außerdem waren sie depressiver als die Patient*innen, die kein Antidepressivum einnahmen.