„Oh ne, Mama, nicht wirklich, oder?“ Sie blicken fassungslos auf den Laptopscreen, auf dem ihre Mutter gerade entschuldigend die Schultern zuckt. „Ich weiß, Maus, Du magst das nicht besonders, aber ich habe ihr versprochen, Dich zu fragen.“ Sie schütteln wütend den Kopf. „Woher soll ich denn jetzt schon sowas wissen? Ich beschäftige mich gerade damit, überhaupt erst einmal die Anatomie des Körpers zu lernen und mich mit biochemischen Formeln rumzuschlagen – sowas kann ich noch nicht beantworten. Und das weißt Du auch!“ Ihre Mutter hebt beschwichtigend die Hand: „Ich weiß, ich weiß, sorry, ich wollte nicht, dass Du Dich so aufregst, vergiss die Frage einfach.“ Sie wischt einmal mit der Hand quer durch die Luft, als wolle sie eine lästige Fliege verscheuchen. „Ganz was anderes“, kommt sie umgehend auf ein neues Thema zu sprechen, aber Ihnen geht das vorherige nicht mehr aus dem Kopf. Es ärgert Sie ungemein, dass Sie sich manchmal noch so verdammt hilflos fühlen – alle Welt denkt, wer Medizin studiert ist sofort ein wandelndes Glossar für alle Erkrankungen des Universums. „Mama, ich muss jetzt Schluss machen, muss noch lernen.“ Sie winken einmal halbherzig in die Kamera und schalten trotz des „Aber …“ Ihrer Mutter kurzentschlossen ab. Und direkt im Anschluss haben Sie ein schlechtes Gewissen. Sie gehen ans Regal und nehmen sich ein Buch der Inneren Medizin heraus. Was hat Ihre Mutter gerade von der besten Freundin berichtet? Sie sei so schlapp in letzter Zeit, körperlich wie seelisch, ständig sei ihr kalt, sie möchte eigentlich nur schlafen. Ihre Haut habe sich verändert, irgendwie so aufgedunsen sei sie – im Gesicht eher blass, nur ständig rote Wangen. Und das Haar sei brüchig und trockener als sonst, egal, wie sehr sie es pflege. Ob das für Sie Sinn mache, ob Sie eine Idee hätten? Witzig! Als wenn die Berechnung der Enthalpie da weiterhelfen könnte oder zu wissen, was ein Inflammasom ist, geschweige denn, hormonelle Stoffwechselwege zu kennen. Sie schlagen seufzend das Stichwortregister auf und beginnen, die genannten Symptome zu suchen. Vielleicht liegen Sie mit Ihrem Biochemiewissen doch näher dran, als Sie denken?

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Hypothyreose

  • Martina Kahl-Scholz

摘要

„Oh ne, Mama, nicht wirklich, oder?“ Sie blicken fassungslos auf den Laptopscreen, auf dem ihre Mutter gerade entschuldigend die Schultern zuckt. „Ich weiß, Maus, Du magst das nicht besonders, aber ich habe ihr versprochen, Dich zu fragen.“ Sie schütteln wütend den Kopf. „Woher soll ich denn jetzt schon sowas wissen? Ich beschäftige mich gerade damit, überhaupt erst einmal die Anatomie des Körpers zu lernen und mich mit biochemischen Formeln rumzuschlagen – sowas kann ich noch nicht beantworten. Und das weißt Du auch!“ Ihre Mutter hebt beschwichtigend die Hand: „Ich weiß, ich weiß, sorry, ich wollte nicht, dass Du Dich so aufregst, vergiss die Frage einfach.“ Sie wischt einmal mit der Hand quer durch die Luft, als wolle sie eine lästige Fliege verscheuchen. „Ganz was anderes“, kommt sie umgehend auf ein neues Thema zu sprechen, aber Ihnen geht das vorherige nicht mehr aus dem Kopf. Es ärgert Sie ungemein, dass Sie sich manchmal noch so verdammt hilflos fühlen – alle Welt denkt, wer Medizin studiert ist sofort ein wandelndes Glossar für alle Erkrankungen des Universums. „Mama, ich muss jetzt Schluss machen, muss noch lernen.“ Sie winken einmal halbherzig in die Kamera und schalten trotz des „Aber …“ Ihrer Mutter kurzentschlossen ab. Und direkt im Anschluss haben Sie ein schlechtes Gewissen. Sie gehen ans Regal und nehmen sich ein Buch der Inneren Medizin heraus. Was hat Ihre Mutter gerade von der besten Freundin berichtet? Sie sei so schlapp in letzter Zeit, körperlich wie seelisch, ständig sei ihr kalt, sie möchte eigentlich nur schlafen. Ihre Haut habe sich verändert, irgendwie so aufgedunsen sei sie – im Gesicht eher blass, nur ständig rote Wangen. Und das Haar sei brüchig und trockener als sonst, egal, wie sehr sie es pflege. Ob das für Sie Sinn mache, ob Sie eine Idee hätten? Witzig! Als wenn die Berechnung der Enthalpie da weiterhelfen könnte oder zu wissen, was ein Inflammasom ist, geschweige denn, hormonelle Stoffwechselwege zu kennen. Sie schlagen seufzend das Stichwortregister auf und beginnen, die genannten Symptome zu suchen. Vielleicht liegen Sie mit Ihrem Biochemiewissen doch näher dran, als Sie denken?