Arthritis urica
摘要
„Hallo Louis, wie geht’s Dir? Dich habe ich aber lange nicht mehr bei uns gesehen! Wie immer?“ Louis ist jedes Mal wieder gerne in der kleinen Konditorei in seiner Heimatstadt. Hier war er schon als kleiner Junge und hat nicht selten den ein oder anderen Keks umsonst gekriegt. Mittlerweile ist er erwachsen, studiert Medizin einige 100 km weit entfernt und kommt nicht mehr oft vorbei. Umso mehr genießt er die vertraute Atmosphäre und den bekannten süßlichen Geruch. Immer noch gehört der kleine Laden Herrn Harnitz, dem netten rundlichen Konditor, der nach wie vor Wert darauf legt, dass alles handgemacht ist. „Ja, wie immer“, antwortet Louis grinsend und setzt sich an seinen alten Stammtisch am Fenster, den er so liebt. Herr Harnitz lässt es sich nicht nehmen, Louis die Bestellung persönlich zu bringen. Langsam humpelt er hinter der Theke hervor und stellt einen Teller mit einer Nussecke und zwei Keksen vor Louis ab. „Quasi noch ganz frisch aus dem Ofen!“, sagt Herr Harnitz zwinkernd und macht sich humpelnd auf den Weg zurück hinter den Verkaufstresen. „Vielen Dank Herr Harnitz!“, sagt Louis, „Haben Sie sich den Fuß verletzt?“ Herr Harnitz macht eine wegwerfende Handbewegung. „Ach das! Das ist nichts. Liegt vermutlich am Altwerden.“ Er dreht sich Richtung Backstube und verschwindet hinter der Tür. Louis zuckt mit den Schultern und genießt seine Nussecke. Als er nach vorne kommt, um zu bezahlen, blickt noch einmal Herr Harnitz um die Ecke. „Wie läuft es denn überhaupt im Studium?“, möchte er wissen. „Soweit gut.“, antwortet Louis, „Es ist nicht gerade wenig zu lernen, aber spannend.“ „Hmmmmja …“, Herr Harnitz schaut etwas verlegen auf den Boden und man merkt ihm an, dass er noch etwas sagen möchte, sich aber anscheinend nicht traut. „Ja?“, fragt Louis nach. „Ja, also … diese Sache hier“, Herr Harnitz deutet auf seinen Fuß, „die habe ich erst seit heute Nacht. Die letzten Tage war noch alle gut, ich war sogar noch auf der großen Geburtstagsfeier meines guten Freundes; wir haben viel gelacht, gegessen und auch ein klitzekleines bisschen tiefer ins Glas geschaut.“, er grinst verschmitzt, wird dann aber wieder ernst. „Und dann plötzlich, heute Nacht, aus dem Nichts heraus, schmerzt mein Zeh wie verrückt. Es war so schlimm, dass jeder Lufthauch, selbst der Druck der Decke, wehgetan hat. Jetzt ist die Seite ganz dick, rot und geschwollen.“ Herr Harnitz winkt Louis zu sich nach hinten in die Backstube, wo er seinen Schuh und die Socke auszieht, um Louis seinen Fuß zu präsentieren. Er setzt hinzu: „Und ich habe nicht die geringste Ahnung, was das sein könnte.“ Er zuckt ratlos die Schultern und schweigt. Louis wartet noch ein paar Sekunden, ob Herr Harnitz etwa ergänzen möchte, und stammelt dann etwas ratlos: „Das … äh … das tut mir sehr leid für Sie!“ Der Konditor nickt und fügt dann etwas leiser hinzu: „Du hast nicht zufällig eine Idee, was das sein könnte? Es macht mir schon ein wenig Bauchschmerzen und das ist für einen Konditor nicht gut. Außerdem tut es sehr weh. Aber ich kann hier momentan nicht weg – zu viele Krankheitsausfälle, Du versteht? Mal eben zum Arzt ist schwierig. Daher dachte ich, wo Du jetzt, naja, Medizin studierst, Dir fällt da vielleicht was ein?“