„Hallo Schatz!“ Theresas Vater klingt wie immer etwas gehetzt und busy. „Wie geht’s Dir?“ Theresa holt gerade aus, um zu antworten, als ihr Vater sie schon wieder unterbricht. „Hast Du schon Deine erste Operation hinter Dich gebracht?“ Theresa rollt mit den Augen und antwortet heftiger als gewollt: „Papa, lass es! Du weißt, dass ich immer noch im Grundstudium bin!“ Einen kurzen Moment herrscht Stille, dann schiebt ihr Vater mit einem leicht amüsierten Klang in der Stimme ein „Mag sein, aber früh übt sich“ nach. „Du, Schatz, ich kriege gerade einen wichtigen Anruf, ich rufe Dich in 5 min zurück.“ Und schon ist er weg. So läuft das immer, vor allem in der Woche. Am Wochenende hat Theresas Vater wenigstens mal Zeit, um drei Sätze geradeaus zu sprechen, ohne durch irgendeinen Gedanken, einen Anruf oder eine E-Mail unterbrochen zu werden. Manchmal macht das Theresa wirklich Sorgen, gerade, nachdem sie in den letzten Semestern immer wieder gehört hat, was Stress – vor allem chronischer –, Schlafmangel und Rauchen im Körper auslösen können. Ihr Papa ist und bleibt ein Workaholic, der nicht gut auf sich achtet, denkt sie gerade, als das Smartphone wieder klingelt. „Jahaaa?“, fragt Theresa, gerade so, als wüsste sie nicht, wer dran ist. „Ich bin’s nochmal.“ Die Stimme ihres Vaters klingt plötzlich nicht mehr geschäftig, sondern eigenartig matt. „Alles okay bei Dir, Dad?“ Sie hört, wie ihr Vater scheinbar etwas auspackt, es raschelt und dann antwortet er mit vollem Mund: „Jaja, alles okay. Ich muss nur was essen, dann geht’s gleich wieder.“ Theresa stutzt: „Was geht dann wieder?“, fragt sie. „Na, die Schmerzen.“ Antwortet ihr Vater, als sei es selbstverständlich. „Ach so, klar, die Schmerzen!“ Theresa ist immer noch etwas genervt vom ersten Anruf. „Dad, was für Schmerzen? Du hast mir bisher nichts von irgendwelchen Schmerzen erzählt!“ Ihr Vater seufzt tief und erklärt mit etwas weniger fester Stimme: „Ich habe seit einigen Tagen – vielleicht auch schon Wochen? –, so ein Druck- und Schmerzgefühl im oberen Bauchbereich. Komischerweise nachts oder wenn ich nichts gegessen habe. Sobald ich etwas esse …“ Theresa hört, wie er irgendetwas abbeißt und kauend weiter erklärt, „geht es recht schnell wieder weg.“ Theresa runzelt die Stirn. „Eigenartig“, antwortet sie. „Ja, Frau Doktor, sehr eigenartig. Sie könnten ja mal in ihre schlauen Bücher schauen, um dem armen alten Vater zu helfen?!?“ Sie muss lachen: „Du bist weder arm noch alt. Aber ich muss tatsächlich noch einmal etwas nachlesen, ich habe da so einen Verdacht …“

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Duodenalulkus

  • Martina Kahl-Scholz

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„Hallo Schatz!“ Theresas Vater klingt wie immer etwas gehetzt und busy. „Wie geht’s Dir?“ Theresa holt gerade aus, um zu antworten, als ihr Vater sie schon wieder unterbricht. „Hast Du schon Deine erste Operation hinter Dich gebracht?“ Theresa rollt mit den Augen und antwortet heftiger als gewollt: „Papa, lass es! Du weißt, dass ich immer noch im Grundstudium bin!“ Einen kurzen Moment herrscht Stille, dann schiebt ihr Vater mit einem leicht amüsierten Klang in der Stimme ein „Mag sein, aber früh übt sich“ nach. „Du, Schatz, ich kriege gerade einen wichtigen Anruf, ich rufe Dich in 5 min zurück.“ Und schon ist er weg. So läuft das immer, vor allem in der Woche. Am Wochenende hat Theresas Vater wenigstens mal Zeit, um drei Sätze geradeaus zu sprechen, ohne durch irgendeinen Gedanken, einen Anruf oder eine E-Mail unterbrochen zu werden. Manchmal macht das Theresa wirklich Sorgen, gerade, nachdem sie in den letzten Semestern immer wieder gehört hat, was Stress – vor allem chronischer –, Schlafmangel und Rauchen im Körper auslösen können. Ihr Papa ist und bleibt ein Workaholic, der nicht gut auf sich achtet, denkt sie gerade, als das Smartphone wieder klingelt. „Jahaaa?“, fragt Theresa, gerade so, als wüsste sie nicht, wer dran ist. „Ich bin’s nochmal.“ Die Stimme ihres Vaters klingt plötzlich nicht mehr geschäftig, sondern eigenartig matt. „Alles okay bei Dir, Dad?“ Sie hört, wie ihr Vater scheinbar etwas auspackt, es raschelt und dann antwortet er mit vollem Mund: „Jaja, alles okay. Ich muss nur was essen, dann geht’s gleich wieder.“ Theresa stutzt: „Was geht dann wieder?“, fragt sie. „Na, die Schmerzen.“ Antwortet ihr Vater, als sei es selbstverständlich. „Ach so, klar, die Schmerzen!“ Theresa ist immer noch etwas genervt vom ersten Anruf. „Dad, was für Schmerzen? Du hast mir bisher nichts von irgendwelchen Schmerzen erzählt!“ Ihr Vater seufzt tief und erklärt mit etwas weniger fester Stimme: „Ich habe seit einigen Tagen – vielleicht auch schon Wochen? –, so ein Druck- und Schmerzgefühl im oberen Bauchbereich. Komischerweise nachts oder wenn ich nichts gegessen habe. Sobald ich etwas esse …“ Theresa hört, wie er irgendetwas abbeißt und kauend weiter erklärt, „geht es recht schnell wieder weg.“ Theresa runzelt die Stirn. „Eigenartig“, antwortet sie. „Ja, Frau Doktor, sehr eigenartig. Sie könnten ja mal in ihre schlauen Bücher schauen, um dem armen alten Vater zu helfen?!?“ Sie muss lachen: „Du bist weder arm noch alt. Aber ich muss tatsächlich noch einmal etwas nachlesen, ich habe da so einen Verdacht …“