Claudicatio intermittens
摘要
Seitdem Lea Medizin studiert, kommen immer wieder Verwandte – allen voran ihre Eltern – vorbei, um sich anzuschauen, wie es sich als Student leben lässt. Heute kommt ihr Onkel zu Besuch, ein Mitte 50-jähriger, stämmiger lustiger Mann, meist mit einer Zigarette zwischen den verschmitzt grinsenden Lippen. Sie haben zusammen in der Stadt einen Kaffee getrunken und gehen jetzt die schöne grüne Promenade runter, um sich noch etwas die Beine zu vertreten. Besser gesagt: Lea und ihr Onkel versuchen es, denn jedes Mal, wenn sie einige Meter gegangen sind, wird Leas Onkel langsamer und bleibt kurz stehen: zuerst, um sich eine neue Zigarette anzuzünden, dann, um den Blick auf die schöne Promenade zu genießen oder die Zigarette auszumachen und in den Mülleimer zu werfen. Aber immer legt er dafür eine richtige Pause ein, sodass von spazieren „gehen“ nicht die Rede sein kann; es ist mehr ein Stop-and-Go. Lea kennt ihren Onkel so nicht und findet das merkwürdig, deswegen fragt sie vorsichtig nach: „Du sag mal, ist alles okay bei Dir? Tut Dir was weh?“ Ihr Onkel schaut sie nicht direkt an, sondern blickt auf den Boden und antwortet leise: „Ich weiß auch nicht, seit einiger Zeit kann ich nicht mehr so viel und lange laufen. Es zieht und schmerzt dann irgendwann in den Waden. Ich habe mich schon gefragt …, kann das was mit dem Diabetes zu tun haben, den mein Hausarzt festgestellt hat?“