Ein Nomadenvolk auf Wanderschaft? Mobilität und Materialität in Thomas Manns Roman Joseph und seine Brüder
摘要
Thomas Manns alttestamentliche Roman-Tetralogie Joseph und seine Brüder erzählt die Geschichte eines Nomadenvolks, das sich aus theologischen Gründen per definitionem auf Wanderschaft befindet. Bei genauerer Betrachtung stellt sich indes heraus, dass es sich bei dieser vermeintlichen Mobilität um eine narrative Konstruktion und Selbststilisierung des Patriarchen Jaakob handelt, denen keine lebensweltliche Praxis entspricht. Vielmehr bindet die materielle Schwere an Gütern und Besitz den Clan durchaus an das Land, das er bewohnt. Dem gegenüber steht mit Joseph eine Figur, deren Leben und Selbstverständnis sehr viel deutlicher durch Exil und Migration geprägt ist, welche von der Erzählinstanz zur Voraussetzung seiner Weltoffenheit, Assimilationsbereitschaft sowie seines modernen Verständnisses des Mythos erklärt werden.