Der Beitrag untersucht Thomas Manns Der Tod in Venedig und demonstriert, dass die Novelle eine poetische Produktionsästhetik entwickelt, die für das Gleichgewicht zwischen zwei geografisch codierten Prinzipien eintritt: einer preußischen Vergeistigung auf der einen und einer exotisierten Sinnlichkeit auf der anderen Seite. Thomas Mann spielt diese implizite Kunsttheorie seines Erzähltextes am Beispiel der tragischen Geschichte von Gustav von Aschenbach durch, dessen literarische Schaffenskraft aufgrund seiner einseitigen Orientierung an einem preußisch-apollinisch konnotierten Leistungsethos zum Erliegen kommt. Zwar wird Aschenbachs Produktivität mit einer Reise nach Venedig zurückgewonnen, weil zeitweise ein Ausgleich zwischen apollinischer Disziplin und exotisiert-dionysischer Hinwendung zum Genuss möglich zu sein scheint; letztlich mündet der Aufenthalt des Künstlers in Italien jedoch in der tödlichen Ekstase. Wie der Beitrag darlegt, zeigt sich Thomas Manns Plädoyer für die Balance zwischen apollinischer Be- und dionysischer Entgrenzung nicht nur auf der histoire-Ebene, sondern auch auf der Ebene des discours, indem die strenge formale Gestaltung der Gattung Novelle ein Gegengewicht zum beschriebenen Exzess des Protagonisten bildet.

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Kunstproduktion zwischen preußischer Disziplin und exotischem Exzess. Thomas Manns Der Tod in Venedig

  • Franziska Bergmann

摘要

Der Beitrag untersucht Thomas Manns Der Tod in Venedig und demonstriert, dass die Novelle eine poetische Produktionsästhetik entwickelt, die für das Gleichgewicht zwischen zwei geografisch codierten Prinzipien eintritt: einer preußischen Vergeistigung auf der einen und einer exotisierten Sinnlichkeit auf der anderen Seite. Thomas Mann spielt diese implizite Kunsttheorie seines Erzähltextes am Beispiel der tragischen Geschichte von Gustav von Aschenbach durch, dessen literarische Schaffenskraft aufgrund seiner einseitigen Orientierung an einem preußisch-apollinisch konnotierten Leistungsethos zum Erliegen kommt. Zwar wird Aschenbachs Produktivität mit einer Reise nach Venedig zurückgewonnen, weil zeitweise ein Ausgleich zwischen apollinischer Disziplin und exotisiert-dionysischer Hinwendung zum Genuss möglich zu sein scheint; letztlich mündet der Aufenthalt des Künstlers in Italien jedoch in der tödlichen Ekstase. Wie der Beitrag darlegt, zeigt sich Thomas Manns Plädoyer für die Balance zwischen apollinischer Be- und dionysischer Entgrenzung nicht nur auf der histoire-Ebene, sondern auch auf der Ebene des discours, indem die strenge formale Gestaltung der Gattung Novelle ein Gegengewicht zum beschriebenen Exzess des Protagonisten bildet.