Mit der Editionsphilologie und der Wissenschaftsgeschichte treffen sich zwei lange marginalisierte Subdisziplinen, die ins Zentrum des Fachs gehören. Sie treffen sich heute aber, wenn mich nicht alles täuscht, nicht in gekränkter Würde, sondern in der Zuversicht, ins Zentrum des Fachs zurückzukehren und der schwächelnden kulturalistischen Event-Kultur zu zeigen, was Philologie ist und kann. Dass für Goethe, von dem die neuere deutsche Literaturwissenschaft in mannigfacher Hinsicht herrührt, die Geschichte der Wissenschaft noch „die Wissenschaft selbst“ war, sollten wir der Germanistik ebenso deutlich ins Gedächtnis rufen, wie die Tatsache, dass die Editionsphilologie einer der wenigen Orte ist, an dem die Einheit unseres Fachs noch anzutreffen ist, denn hier ist, um mit den Worten Klaus Hurlebuschs zu sprechen, „noch verbunden, was sich sonst voneinander abgesondert hat: z. B. Handschriftenkunde, Buchwissenschaft, Textkritik, Text- und Literaturtheorie, Literaturhistorie, Geschichtswissenschaft und deren Hilfsdisziplinen“. „Die elementaren philologischen Tätigkeiten sind Herausgeben und Erklären“, formulierte Wilhelm Scherer 1877 mit dem ihm eigenen Sinn fürs Wesentliche, und dass diese beiden, mit der Literaturgeschichte vereint. die tragenden Säulen unseres Fachs bilden, haben 125 Jahre später zwei einflussreiche Germanisten noch einmal versichert. Wir haben also keinen Grund kleinlaut zu sein.

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Wissenschaftsgeschichte und Editionsphilologie

  • Hans-Harald Müller

摘要

Mit der Editionsphilologie und der Wissenschaftsgeschichte treffen sich zwei lange marginalisierte Subdisziplinen, die ins Zentrum des Fachs gehören. Sie treffen sich heute aber, wenn mich nicht alles täuscht, nicht in gekränkter Würde, sondern in der Zuversicht, ins Zentrum des Fachs zurückzukehren und der schwächelnden kulturalistischen Event-Kultur zu zeigen, was Philologie ist und kann. Dass für Goethe, von dem die neuere deutsche Literaturwissenschaft in mannigfacher Hinsicht herrührt, die Geschichte der Wissenschaft noch „die Wissenschaft selbst“ war, sollten wir der Germanistik ebenso deutlich ins Gedächtnis rufen, wie die Tatsache, dass die Editionsphilologie einer der wenigen Orte ist, an dem die Einheit unseres Fachs noch anzutreffen ist, denn hier ist, um mit den Worten Klaus Hurlebuschs zu sprechen, „noch verbunden, was sich sonst voneinander abgesondert hat: z. B. Handschriftenkunde, Buchwissenschaft, Textkritik, Text- und Literaturtheorie, Literaturhistorie, Geschichtswissenschaft und deren Hilfsdisziplinen“. „Die elementaren philologischen Tätigkeiten sind Herausgeben und Erklären“, formulierte Wilhelm Scherer 1877 mit dem ihm eigenen Sinn fürs Wesentliche, und dass diese beiden, mit der Literaturgeschichte vereint. die tragenden Säulen unseres Fachs bilden, haben 125 Jahre später zwei einflussreiche Germanisten noch einmal versichert. Wir haben also keinen Grund kleinlaut zu sein.