Der Essay diskutiert das Werk des brasilianischen modernistischen Dichters João Cabral de Melo Neto (1920–1999) als beispielhaft für eine Poetologie der lyrischen Form, die ihr Selbstverständnis und Konstruktionsprinzip aus der äußeren Welt der Objekte ableitet. Damit stellt sich diese Dichtung programmatisch gegen das Paradigma der lyrischen Expressivität und privilegiert stattdessen eine Ordnung der Form und der typographischen Materialität. Es wird argumentiert, dass die Lyrik dieses Autors zwar das menschliche Subjekt dezentriert, gleichzeitig aber die Welt der Dinge und die formale Struktur der Texte letztlich in ihrer Bedeutung für das Individuum mobilisiert.

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Ding und Form: Materialität und Konstruktion in der Lyrik von João Cabral de Melo Neto

  • Jobst Welge

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Der Essay diskutiert das Werk des brasilianischen modernistischen Dichters João Cabral de Melo Neto (1920–1999) als beispielhaft für eine Poetologie der lyrischen Form, die ihr Selbstverständnis und Konstruktionsprinzip aus der äußeren Welt der Objekte ableitet. Damit stellt sich diese Dichtung programmatisch gegen das Paradigma der lyrischen Expressivität und privilegiert stattdessen eine Ordnung der Form und der typographischen Materialität. Es wird argumentiert, dass die Lyrik dieses Autors zwar das menschliche Subjekt dezentriert, gleichzeitig aber die Welt der Dinge und die formale Struktur der Texte letztlich in ihrer Bedeutung für das Individuum mobilisiert.