Die Form der Schriftzeichen. Konkrete Poesie in Japan und Kanji als Formgewinn
摘要
Ausgehend von der Begründung der Konkreten Poesie in den 1950er-Jahren stellt der Beitrag die grundlegenden Vertreter sowie Grundzüge der Geschichte der japanischen Konkreten Poesie vor und diskutiert die poetologischen Besonderheiten, die die japanische Konkrete Poesie aufgrund der japanischen Schriftsysteme auszeichnet. In Japan werden zwei Silbenschriften, die Kana, sowie logographische Zeichen, die Kanji, verwendet. Im Hinblick auf poetische Konstellationen und Konkretionen wird eine funktionale Analogie zwischen Kana und Alphabetzeichen begründet und die Besonderheit von Kanji dargestellt. Sie sind bereits als einzelnes Zeichen sinntragend und können diesen Sinn, im Unterschied zu alphabetischen Zeichen, nicht einbüßen. Obgleich in der Konkreten Poesie ein technisches Verständnis von Dichtung vertreten wird, führen Kanji vor, dass auch die technische Dichtung, die sich der Materialität und Räumlichkeit einzelner Schriftzeichen bedient, sinntragende Form zu gewinnen vermag.