Erinnerungen an Moskau in Gedichten und in Selbstbefragung: Das Ringen der DDR-Autorin Hedda Zinner mit Stalin und den stalinistischen Verbrechen
摘要
Hedwig „Hedda“ Zinner (1904–1993) war eine deutschjüdische Schriftstellerin, deren Lebensweg die Herausforderungen des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. In der Weimarer Republik engagierte sie sich als Schauspielerin und Journalistin. Sie veröffentlichte unter anderem politische Lyrik, die in kommunistischen Zeitschriften Anerkennung fand. 1935 emigrierte sie in die Sowjetunion. Dieser Beitrag diskutiert die Darstellung des Diktators Stalin in ihren frühen Gedichtbänden Unter den Dächern (1936) und Geschehen (1939). Zudem erweitert er die Forschung zu Zinner um Analysen ihrer Positionierung als Kommunistin und antifaschistische Schriftstellerin in Bezug auf den Stalinismus. Der Blick auf den Erinnerungstext Selbstbefragung (1989) und die dazugehörigen Vorarbeiten und Quellenmaterialien zeigen die inneren Konflikte der kritisch-loyalen DDR-Autorin und ihr jahrzehntelanges Ringen um Erklärungen für Stalins Verbrechen, deren Thematisierung zu den Tabus in der DDR-Zeit gehörte.