Marginalien zu Ernst Zinn als Leser – Befreiung von Dieter Bassermanns Der späte Rilke
摘要
Der Fund eines von Walter Simon kopierten Exemplars des in der Rilke-Philologie lange als klassisch geltenden Buchs Der späte Rilke (1947) von Dieter Bassermann lässt die Frage nach der Lektüreweise des in seinen editionsphilologischen Leistungen ausgezeichneten Philologen Ernst Zinn aufwerfen. Denn in dem Exemplar finden sich Marginalien Zinns, die in einem eingelegten Blatt stupend zusammengefasst sind. Die Zurückhaltung der öffentlichen Äußerungen Zinns zu dem ihm (schon von der Familie her) wohlbekannten Privatgelehrten Bassermann lässt sich mit der Ausbildung eines philologischen Ethos verbinden, die in Zinns Begegnungen mit Rudolf Alexander Schröder ihren Anfang zu nehmen scheint. Der Philologe verpflichtet sich in der Engführung von wissenschaftlichem und künstlerischem Ethos der Arbeitsethik des Dichters und bewahrt sich mit dem Ziel der Objektivierung vor Urteilen. Die Marginalie bietet dabei den Ort zur diskreten Ablösung vom klassisch geltenden Rilke-Buch Bassermanns.