Die Stimme(n) des Gedichts: Klavier- und Ensemblelieder
摘要
Gewöhnlich gehen wir bei einem Gedicht von dessen lauter oder leiser Lektüre aus. Der unmittelbarere Zugang zum Gedicht erfolgt aber von der Stimme des Dichters zum Hörer, wie es in den Prinzipien oraler Poesie bei Ossip Mandelstam[aut]Mandelstam, Ossip erklärt und in der Vortragskunst von Ernst Jandl[aut]Jandl, Ernst demonstriert wird. Demnach stellt das gedruckte Papier einen Umweg dar. Das Gedicht wird in seiner Textfassung zu einer »Partitur«, zu einem genauen Notat einer Spiel- und Sprechanweisung. Auch wenn eine solche Textfassung vorliegt, gilt es doch, durch die Stimme einen offenen Zustand des Gedichtes wiederherzustellen, den es vor seiner Niederschrift hatte, es also in der Rezitation so zu lesen, wie es der Dichter, vielleicht gehend und von Handbewegungen begleitet, gesprochen oder zumindest innerlich gehört hatte. Damit ist für die Stimme eine wesentliche Funktion bezeichnet, die sich in der oralen und peripatetischen Vortragsweise ausdrückt, durch die sie direkt ihren Hörer findet, ohne den Umweg des Textes. Der Sprachklang des Gedichts, seine »Gangart des Geistes«, wie sie sich in Metrum, Rhythmus und Phonetik in der Rezitation niederschlägt, ist also der entscheidende Ausgangspunkt für die Diskussion der Stimme, die durch ihre Verlautbarung direkt auf den Hörer trifft.