Das Nicht-mehr-Schöne und das Noch-Schöne: Die Musik Wolfgang Rihms vor und nach der Kehre
摘要
Der Schlusssatz in Heiner Müllers[aut]Müller, Heiner Gedicht Bilder von 1955 spielt auf jene unheilvolle Allianz des Schönen mit der Gewalt an, auf die der Titel dieses Buches Bezug nimmt. Nach Müller[aut]Müller, Heiner kann sich das Schöne nur entfalten, wenn es sich aus der alles in Besitz nehmenden Herrschaft des Schreckens befreit hat, wenn also das Schöne nicht sich durchsetzen muss vermöge der Bestrafung des elementar Einfachen und Hässlichen wie in der Häutung des Marsyas – ein Mythos, an den Rihm mit einem gepressten Stück für Trompete, Schlagzeug und Orchester erinnert hat (MarsyasMarsyas, 1998). Müllers[aut]Müller, Heiner Satz formuliert die Umkehrung des Gedankens von Rainer Maria Rilke[aut]Rilke, Rainer Maria am Beginn seiner Duineser Elegien: »Denn das Schöne ist nichts / als des Schrecklichen Anfang.« Man kann an den Grundsatz der Dialektik der Aufklärung denken, die im Ursprung der Geschichte bereits das Potenzial einer Gewalt annimmt, die sich später immer mehr ausbreitet. Am Anfang ist kein Schönes und Verklärt-Sublimes, sondern der pure Schrecken. Hier, in der Urgeschichte des Schönen, zeigt sich seine Verbindung mit dem Schrecken und der Gewalt, weil der Siegeszug Apolls bei dem Wettbewerb um die schönste Musik die Bestrafung des Dionysischen in der Musik zur Folge hat. Aber das zitierte Gedicht ruft noch andere Zusammenhänge auf, die zwischen »Bild« und »Gedicht« sichtbar werden. Bilder stehen am Anfang und durchkreuzen die Geschichte der Gedichte. Demnach existieren Bilder vor der Entstehung der Schrift, dann verschwinden sie mehr und mehr, selbst noch das »Endbild« des Kommunismus, das doch »immer erfrischte«. In diesem Prozess werden die »großen Gedichte« zu Trümmern, »wie Leiber, lange geliebt und nicht mehr gebraucht jetzt«. Am Schluss aber wird ein zukünftiger Zustand beschworen: »Denn das Schöne bedeutet das mögliche Ende der Schrecken.« (Abb. 1)