In einer AufführungsankündigungÜber die Linie (Zyklus) des Stückes Über die Linie VIIÜber die Linie VII (Violine) für Violine solo 2009 in Paris wurde der Titel von Rihms Zyklus Über die LinieÜber die Linie (Zyklus) mit dem kontroversen Austausch zwischen Ernst Jünger[aut]Jünger, Ernst und Martin Heidegger[aut]Heidegger, Martin in Beziehung gebracht, in dem, wie es in der französischen Fassung heißt, die doppelte Bedeutung des »über« im Sinne von »au-delà de la ligne« und »sur la ligne« durchdekliniert wurde. Die Linie wird hier als »Null-Meridian« auf den Nihilismus der 1950er-Jahre zurückgeführt, auf jenen Zeitpunkt, als in unserer Welt die alten Werte nichts mehr taugten, während die neuen sich noch nicht durchgesetzt hatten. Durch die umfassende Entwertung der Werte und eine immer raschere Beschleunigung auf physikalisch-technischem Gebiet sei der Geist auf Irrfahrt geschickt worden. In diesen Zusammenhang wird die Komposition von Rihms umfangreichem Zyklus Über die LinieÜber die Linie (Zyklus) gestellt, ein immer wieder erneuerter Bestand von Werken für verschiedene Besetzungen, vom Solisten bis hin zum Kammerensemble, von konzertanten Stücken bis hin zu Chorwerken mit Instrumentalbegleitung. Rihm habe es verstanden, den Disput zwischen Jünger[aut]Jünger, Ernst und Heidegger[aut]Heidegger, Martin in den musikalischen Bereich zu übertragen und aus dem, was Jünger[aut]Jünger, Ernst den Null-Meridian nannte, eine melodische Linie zu entwickeln, die oftmals an der Grenze des Realisierbaren liegt. Die Töne, so der Kommentar, lösen sich kaum voneinander, sind keine isolierten Punkte mehr, sondern miteinander verbunden, sie singen und atmen. Das Stück oszilliere zwischen einem Teil mit solchen einfachen und eleganten monodischen Linien, manchmal auf zwei Saiten, so wie jene, die das Stück in einer Pianissimo-Schattierung eröffnen, die durch kleinste Crescendos kaum spürbar modifiziert werden, und einem anderen Teil mit brillanten und scharf akzentuierten Gesten auf meist drei Saiten. Energetisch aufgeladen sei die Partitur bis hin zur wilden Kadenz. Auf den ruhigen Beginn folgen immer belebtere Formteile, auch sehr unruhige, wenn nicht wilde, bevor das Stück am Schluss in den ursprünglichen Charakter zurückkehrt.

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Der Zyklus »Über die Linie«: Intermediale Reflexionen über Strich, Zeichnung, Geste und Textur

  • Martin Zenck

摘要

In einer AufführungsankündigungÜber die Linie (Zyklus) des Stückes Über die Linie VIIÜber die Linie VII (Violine) für Violine solo 2009 in Paris wurde der Titel von Rihms Zyklus Über die LinieÜber die Linie (Zyklus) mit dem kontroversen Austausch zwischen Ernst Jünger[aut]Jünger, Ernst und Martin Heidegger[aut]Heidegger, Martin in Beziehung gebracht, in dem, wie es in der französischen Fassung heißt, die doppelte Bedeutung des »über« im Sinne von »au-delà de la ligne« und »sur la ligne« durchdekliniert wurde. Die Linie wird hier als »Null-Meridian« auf den Nihilismus der 1950er-Jahre zurückgeführt, auf jenen Zeitpunkt, als in unserer Welt die alten Werte nichts mehr taugten, während die neuen sich noch nicht durchgesetzt hatten. Durch die umfassende Entwertung der Werte und eine immer raschere Beschleunigung auf physikalisch-technischem Gebiet sei der Geist auf Irrfahrt geschickt worden. In diesen Zusammenhang wird die Komposition von Rihms umfangreichem Zyklus Über die LinieÜber die Linie (Zyklus) gestellt, ein immer wieder erneuerter Bestand von Werken für verschiedene Besetzungen, vom Solisten bis hin zum Kammerensemble, von konzertanten Stücken bis hin zu Chorwerken mit Instrumentalbegleitung. Rihm habe es verstanden, den Disput zwischen Jünger[aut]Jünger, Ernst und Heidegger[aut]Heidegger, Martin in den musikalischen Bereich zu übertragen und aus dem, was Jünger[aut]Jünger, Ernst den Null-Meridian nannte, eine melodische Linie zu entwickeln, die oftmals an der Grenze des Realisierbaren liegt. Die Töne, so der Kommentar, lösen sich kaum voneinander, sind keine isolierten Punkte mehr, sondern miteinander verbunden, sie singen und atmen. Das Stück oszilliere zwischen einem Teil mit solchen einfachen und eleganten monodischen Linien, manchmal auf zwei Saiten, so wie jene, die das Stück in einer Pianissimo-Schattierung eröffnen, die durch kleinste Crescendos kaum spürbar modifiziert werden, und einem anderen Teil mit brillanten und scharf akzentuierten Gesten auf meist drei Saiten. Energetisch aufgeladen sei die Partitur bis hin zur wilden Kadenz. Auf den ruhigen Beginn folgen immer belebtere Formteile, auch sehr unruhige, wenn nicht wilde, bevor das Stück am Schluss in den ursprünglichen Charakter zurückkehrt.