Machtvolle Rhythmen: Digitale Arbeitsvermittlungsplattformen und ihr Einfluss auf Zeit-Räume der Re/Produktion
摘要
Plattformen prägen unsere Lebens- und Arbeitsgewohnheiten maßgeblich. Dieser Beitrag untersucht den Einfluss plattformvermittelter Arbeit auf die täglichen Rhythmen der Re/Produktion im Leben von Arbeiter:innen. Empirisch stützt sich der Beitrag auf eine autoethnographische Studie, die eine der Autorinnen als Arbeiterin auf verschiedenen Plattformen in der Schweiz durchgeführt hat. In Anlehnung an die Feminist Labour Geographies wenden wir ein erweitertes Verständnis von Arbeit an, um die Verbindungen zwischen bezahlter und unbezahlter Plattformarbeit mit einer Reihe von Tätigkeiten der Sorge für sich selbst und andere zu untersuchen. Auf Grundlage einer machtsensiblen Rhythmusanalyse analysieren wir, wie plattformvermittelte Arbeit die zeitlich-räumlichen Rhythmen dieser Aktivitäten formt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Plattformarbeit die Grenzen zwischen produktiver und reproduktiver Arbeit im Leben von Plattformarbeiter:innen verwischt. Dies geschieht durch die Fragmentierung des Arbeitstages in mehrere Einheiten bezahlter und unbezahlter Arbeitszeit, die Invisibilisierung zahlreicher für die Plattformarbeit notwendiger Tätigkeiten als Nicht-Arbeit und das kontinuierliche Eindringen der Plattform in etablierte Zeit- und Räumlichkeiten der Reproduktion. In der Folge erleben Plattformarbeiter: innen Unsicherheiten, eine Unplanbarkeit des Alltags, einen Druck zur ständigen Verfügbarkeit und ein Defizit an Erholung und sozialem Austausch. Der Beitrag verdeutlicht, dass die Sphäre der sozialen Reproduktion eine wichtige Dimension der Prekarisierung im Plattformmodell darstellt.